Binsenweisheiten sind Gift im Management

Viele Binsenweisheiten führen in die Glücksfalle

Wo lauert die Gefahr im Management? Beispiel Jobaufstieg: Schnell sind die Einflüsterer zur Stelle und alle, die es beispielsweise mit einer neuen Führungskraft „gut meinen“. Wer sich rechtzeitig um sein eigenes Weltbild kümmert, tappt weniger leicht in die Glücksfalle und wird so kein Gefangener im Turm der falschen Affirmationen und Binsenweisheiten.

Binse 1: Du musst immer positiv denken! Echt? Warum?

In einer  Welt, in der Glücks-Ratgeber eine ganze Industrie ernähren und es Erfolgsseminare für jedermann gibt, stehen die fanatischen Optimisten hoch im Kurs. Alle Probleme lassen sich angeblich bereits durch eine positive Betrachtung beim Hinschauen schmälern. Denn: „Das Glas ist für die meisten lieber halb voll, als halb leer.“ – Was für eine Binsenweisheit!

Gerade Führungskräfte und Unternehmer sollten kaufmännisch betrachtet doch lieber vom Worst-Case-Szenario ausgehen, statt böse Überraschungen durch euphemistische Prognosen zu programmieren. Ergebnissicher planen heißt immer einen Plan B zu kennen, der – falls alles schief geht – aus der Katastrophe führt.

Binse 2: Du kannst, wenn Du nur willst!

Die Kalenderliteratur ist auf dem Vormarsch und die internationalen Erfolgsformeln klingen selbst gereimt. Harte Arbeit war gestern – heute stehen „Mentaltrainings“, „Positive Programmierung“ und „Erfolgsworkshops“ auf dem Managerbildungsplan. – Dass „Erfolg“ nicht nur eine Frage der inneren Einstellung ist, sondern vor allem vom Wort „erfolgen“ kommt, bedenken dabei die wenigsten. In einer Welt der Individualisten soll schließlich jeder werden was er will, solange er seine Glaubenssätze selbst herunter betet. – Schmerzlich ist für den einen oder anderen die Erkenntnis, dass doch nicht alles geht, nur weil man bitte, bitte ganz fest will. In aller Bescheidenheit müssen dann Wünsche reduziert oder in realistische homöopathische Potenzen übersetzt werden. Wie heilsam! Schließlich ist es keine Schande sich einzugestehen, dass kaum jemand in diesem Leben Wimbledon, Monte Carlo oder den Eurolotto-Jackpot gewinnen wird – selbst, wenn er sein Lebensglück daran festmacht. Bei aller Selbstbestimmtheit sind wir immerhin noch einigen Unbekannten im Leben ausgesetzt, auf die wir – Psychokinesiologie hin oder her – wenig Einfluss haben. Affirmationsformeln á la „Ich kann, wenn ich nur will“ sollten ersetzt werden durch die viel wichtigere Frage: „Ist mir mein Erfolg diesen Preis wert?“

Binse 3: Wie man in den Wald ruft …

Auf vielen Säulen steht das Glück laut Bestsellerautor David Niven. Wie wir mit unserer Umwelt kommunizieren ist nur eine davon und verleitet einfache Gemüter zur landläufigen Behauptung: Wie Du anderen begegnest, so werden sie auch Dir begegnen“. – Eine völlig unhaltbaren These, wie Kindermorde, Vergewaltigungen und andere Verbrechen beweisen. Dabei müssen gar nicht erst die Extrembeispiele strapaziert werden. – Jeder, der in Wien in ein Kaffeehaus geht und freundlich bestellt weiß, dass es eben nicht gleichsam lieblich zurück schallt. Das Gesetz des Echos funktioniert dort nur in eine Richtung.

Auch in der Wirtschaft erfahren selten die „netten unkomplizierten Kunden“ eine Sonderbehandlung. Dagegen sind ganze Heerscharen von Beschwerdeabteilungen darauf trainiert, anspruchsvolle oder unzufriedene Käufer extra aufmerksam zu behandeln. Oft werden nach dem gelungenen Reklamationsgespräch die Geschäftsbeziehungen enger und die Konditionen für den Kunden deutlich besser als vorher. – Ein Vorteil den der „brave unauffällige“ Kunde aus der zufriedenen Masse nie erhalten wird. Manchmal ist es also durchaus empfehlenswert sich mit dem Label „schwierig“ anzufreunden, da die Problemlöser sich dann auf den Plan gerufen fühlen.

Mut ist gefragt! Jede Lieferanten-Rechnung sofort bezahlen kann jeder. Die „lästigen“ Unternehmer stellen sich jedoch quer und bekommen – dank Mut und Verhandlungsgeschick – deutlich bessere Zahlungskonditionen oder Skontierungen.

„… so schallt es zurück!“

Fein, wenn der Vorgesetzte seinen Mitarbeitern positiv begegnet. Noch schlauer ist, die eigene Menschenkenntnis immer wieder zu überprüfen. – Enttäuschungen, Intrigen und Betrügereien passieren schließlich nicht nur in anderen Unternehmen. Die Devise heißt: Selbst auf der Hut sein und lernen banales Gemauschel im Team von geschäftsschädigendem Paktieren zu unterscheiden. Betrogen fühlen sich schließlich nur jene Führungskräfte, die vom Vertrauensbruch überrascht wurden. Naivität – auch durch Stehsätze getarnt, Marke: „ich-glaube-halt-immer-noch-ans-Gute-im-Menschen“ – ist keine Tugend. Viele Glaubenssätze oder Ratschläge sind Binsenweisheiten, deren Wahrheitsgehalt beim näheren Hinschauen schlicht fehlt.

Hüten Sie sich vor aufmunternden Zurufen. Hinterfragen Sie:

  •  sag niemals nie

Warum? Immerhin kann jeder Mensch gewisse Lösungswege für sich definitiv ausschließen.

  •  es kann nur noch besser werden

Jede Situation kann sich aber auch schlechter entwickeln. Auf das Gute und Gerechte allein zu hoffen ist sicher zu wenig.

  • es ist nie zu spät

Leider ja. Unsere Alternativen schrumpfen mit den Lebensjahren. Für vieles ist es in Ihrem Leben bereits zu spät. – Und das ist gut so, denn niemand möchte sich heute mit den Milchzähnen oder dem ersten Liebeskummer befassen – auch nicht mit dem ersten Jobangebot.

  • wo ein Wille da ist immer ein Weg

Oft reicht der Wille nicht aus, um ein zahlungsunfähiges Unternehmen aus dem Konkurs zu führen. Beim besten Willen können wir uns auch nicht alles von unseren Mitarbeitern bieten lassen.

  • ohne Vitamin B geht gar nichts

Viele Menschen verfügen sowohl über gute Beziehungen, einen hervorragenden Namen und bringen es trotzdem zu nichts. Lisa Maria Presley gehört zu den reicheren Frauen Amerikas. Sie hat gut geerbt, war mehrfach prominent verheiratet, kennt daher viele einflussreiche Menschen und schaffte ihre eigene Karriere bis heute nicht. Gerade Kinder von bekannten Persönlichkeiten können ein Lied davon singen, dass Vitamin B alleine nicht alles ist.

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Hier geht es zum Blogartikel "Positivdenker können nerven": http://sprechen.com/blog/positivdenker-koennen-nerven/#more-65

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