Dramaturgie, nicht Worte würfeln!

Eine Rede ist wie ein Musikstück

Wie bei einem Musikstück gibt es auch bei einem Vortrag zuerst eine Ouvertüre in Form der Einleitung, dann das Hauptthema mit vielen sprudelnden Argumenten, Beispielen, Bildern, Pausen und ausgeführten Ideen. Am Ende geht der Zuhörer (m/w) erfüllt nach Hause und besonders der Schluss klingt ihm mit den letzten Noten noch im Ohr nach. Genau aus diesem Grund sollten wir bei Reden nicht nur den Anfang proben, sondern vor allem ein gelungenes Vortragsende gestalten und trainieren.
Bereits nach 111 Millisekunden haben wir auf den Zuhörerstühlen nämlich entschieden, ob wir den Vortragenden mögen und gerne weiter zuhören. Nach so kurzer Zeit haben wir eine Meinung darüber, ob wir ihn kompetent finden, oder ob wir ihn im Anschluss verreißen.

Der Ton macht die Musik

Jedes Publikum möchte sich gut unterhalten. Schlechte Unterhaltung gibt es auf vielen Kanälen im Fernsehen. Wir sind sogar bereit, wenn uns der Vortragende mit seinen Bildern und Worten in fremde Themenwelten führt. Charismatische Redner können draußen stehen und schaffen es, uns tief drinnen zu berühren. Gelegentlich werden wir gerne auch mal schockiert, dann gruselt es uns. Das kann paradoxer Weise durchaus wohltuend sein. Bestürzende Meldungen, die uns alle betreffen, müssen jedoch raffiniert und gut dosiert eingesetzt werden. Rede-Dramaturgie ist alles. Und ohne sie jede Rede nichts.

Unsere Emotionen wollen wach gekitzelt werden. Manchen genialen Rednern gelingt es im ganzen Saal bewusst unterschiedliche Stimmungen zu setzen, wie Farbakzente auf einer Leinwand. Mal taucht uns diese Atmosphäre in eine Moll-Emotion, dann lächeln wir wieder hell und in Dur. Stimmungen sind der rote Teppich für unsere Emotionen. Manchmal entstehen sie sogar ganz von alleine. Wie bei einem guten Film fühlen wir aber auch, dass Dramaturgie und das Spiel mit unseren Emotionen kein Zufallsprodukt ist. Beim Film sitzen Skript-Spezialisten an der Seite des Regisseurs, sie manipulieren uns bewusst. Im Training sind wir Coaches gefragt einer Präsentation Leben einzuhauchen.
Ein Redner, der sein Publikum jedoch andauernd in Atem hält, der übertreibt. Niemand will auf billige Art und Weise manipuliert werden. Auf der anderen Seite beschleicht uns schnell das Gefühl, Lebenszeit zu verschwenden, wenn es langweilig wird. Niemand mag dann zuhören. Okay, vielleicht sind manche Menschen großzügiger. – Mich persönlich macht es richtig wütend, wenn ein Redner mit meinem höchsten Gut, meiner Lebenszeit, unvorsichtig umgeht.
Fazit: Lieber habe ich das Gefühl, bei einem wichtigen Abend dabei sein zu dürfen, als wieder einem Schwätzer aufgesessen zu sein. Ich möchte am Puls der Zeit Informationen trinken. Die dürfen auch mal bitter schmecken. Hauptsache, sie sind frisch und unterhaltsam gereicht!

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