• Himmel – das größte Open-Air-Kino der Welt

    Meine Wolken-Ausstellung

    WolkenkartenDer Himmel ist das größte Open-Air-Kino der Welt: weit, leuchtend, farbintensiv und eintrittsfrei.

    Himmel gehört allen Menschen. Jeder kann nach oben schauen. Jeder empfindet unterschiedlich. Das Himmelsszenario gibt kein Thema vor. Ein von Liebeskummer Geplagter, wird dramatisch arrangierten Wolken oder dem Sonnenuntergang anders gegenüber stehen als ein Frischverliebter. Es liegt immer an uns selbst, wie wir empfinden. Der Glaube, mit einem „schönen“ Bild „gute“ Gefühle auszulösen, ist eben nur ein Glaube.

    Wie in der menschlichen Kommunikation so zeigen auch Wolken Stimmungen und Tendenzen. Keine ist dabei wie die andere. In allen Teilen der Welt sprechen Menschen andere Sprachen, und auch der Himmel entwickelt an unterschiedlichen Orten verschiedene Himmelsbilder. Wolken bauen sich im Sommer über der Ostküste Amerikas anders auf, als über Australien im Winter oder Mitteleuropa im Herbst.

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  • Lüften durch Zeitfenster

    Jeder einzelne auf dieser Welt hat exakt 24 Stunden zur Verfügung, in denen unsere Biografie erst Gestalt annimmt.

     

    24 Stunden täglich

    Was uns Menschen verbindet ist bedeutend mehr als uns trennt, auch wenn einige ihre persönliche Lebenszeit für ganz unique halten. Jeder einzelne auf dieser Welt hat exakt 24 Stunden zur Verfügung, in denen unsere Biografie erst Gestalt annimmt. Die Tage sind eng miteinander verknüpft, wie bei einer Kette, deren Perlen unsere Entscheidungen und die daraus resultierenden Konsequenzen darstellen. Manchmal müssen wir eben „heute“ ausbaden, was wir uns „gestern“ eingebrockt haben. Immer hoffen wir auf ein gutes oder sogar besseres Morgen; nur deshalb gehen wir überhaupt heute in die Schule, auf die Universität oder schlicht in die Arbeit.

    Manche Zeitgenossen können sich gar nicht aussuchen, wie sie ihren Tag anlegen, weil sie krank oder verletzt sind, und ihr Gestaltungsradius dementsprechend eingeschränkt ist. Andere sind bitterarm und müssen täglich erst einmal das Überleben sichern für sich und ihre Lieben. Große Erlebnis-Entscheidungen fallen für sie weg, da man ohne Geld nicht allzu viel in einen Tag packen kann.

    Viele von uns leiden unter Terminstress. Es geht sich einerseits nicht alles, was man erledigen möchte zeitlich aus. Auf der anderen Seite habe ich auch schon von sehr betagten Senioren mit einer gewissen Wehmut gehört, dass für sie der Tag viel zu viele Stunden hätte. Die meisten Tätigkeiten können sie nicht mehr verrichten und dass, wozu sie schmerzfrei in der Lage sind füllt ihre 24 Stunden kaum aus:

    An manchen Tagen wollen die Minuten dann gar nicht verstreichen. Man sieht auf die Uhr und der Zeiger bewegt sich kaum vorwärts.

      Mein optimaler Tag

    Ich habe mir deshalb überlegt, wie für mich der optimale Tag aussehen würde. Das Problem dabei ist mir recht schnell aufgefallen: 24 Stunden reichen nie! Das schlechte Gewissen, mit dem ich an manchen Tagen ins Bett gehe ist also klar vorprogrammiert und demzufolge völlig unnütz.

    • 8 Stunden Schlaf (das wäre mal ein Hit!)
    • 1 Stunde Pflege
    • 8 Stunden Arbeit (selbständig = selbst & ständig)
    • 1 Stunde Lesen & Recherche (Ideen, Trends, Studien)
    • 1-2 Stunden Schreiben (Blog, Newsletter, Kolumnen für Magazine)
    • 1 Stunde Familien Management (Früchte einkaufen, Smoothies zubereiten, Haushalt führen)
    • 1 Stunde Hausaufgaben mit meinem Sohn (Kontrolle, für Tests üben, Referate vorbereiten)
    • 1 Stunde Surfen oder Fernsehen
    • 1 Stunde Wegzeiten (versteckte Zeitkiller, die viel ausmachen)
    • 1 Stunde isst der Mensch am Tag
    • 1 Stunde mit meinem Sohn Qualitätszeit (über den Tag reflektieren, mal nicht über „seine“ Schule reden)
    • 1 Stunde mit meiner Tochter (mal nicht über „meine“ Schule reden, schließlich werde ich bestimmt bald Oma)
    • 1 Stunde Sport (dazu kommt es selten ;-))
    • (1 Stunde brauch‘ ich auch bald einmal für mein Enkelkind)
    • 1 Stunde mit meinem Mann verbringen

            Total: 30 Stunden, na bravo!

     

    Natürlich kann man auch mal vor dem Fernseher essen – dass spart zumindest Zeit. Dann wird man vielleicht auch nicht jeden Tag Sport treiben; zudem sehe ich das geplante Enkelkind dann doch nur einmal pro Woche und selbstredend komme ich seit Jahrzehnten mit nur 6 Stunden Schlaf pro Nacht aus – aber lieber eben nicht. Wenn ich meinen optimalen Tag vergleiche mit meinem realen Kalendertag, dann wird deutlich, warum ich mich oft gehetzt fühle.

    Fazit: Deshalb habe ich begonnen mir 2-mal pro Woche von Office-Mitarbeitern Zeitfenster eintragen zu lassen. An manchen Wochen klappt das nicht, weil ich schon im stündlichen Hamsterrad gebucht bin, aber immer öfter schaffen wir diese Zeitinseln. Wie wohltuend! In meinem Rhythmus kann ich dann arbeiten, denken, und das ohne schlechtes Gewissen. Der Output und meine Laune geben diesem Zeit-Management recht.

  • Wo geht’s zum Stein der Rhetorik?

    Wer den stein küsst der wird mit Eloquenz belohnt

    Irland ist an Sehenswürdigkeiten keineswegs arm. Einzigartig ist jedoch die Ortschaft Blarney, nahe der Stadt Cork. Ihre Attraktion, Blarney Castle, ist ein beeindruckender Bau von über 30 Metern Höhe, angelegt in drei Stockwerken. Errichtet wurde es von Cormac McCarthy anno 1446. Man braucht nicht lange fragen, welchem Hauptzweck das Gebäude gedient hat. Leicht ist zu erkennen, dass es sich um eine Trutzburg handelt, die weit über die übliche Wehrhaftigkeit solcher Gebäude hinausgeht. Dennoch wurde Blarney letztendlich nicht aufgrund heroischer Verteidigungsleistungen bekannt, sondern Dank zweier Persönlichkeiten: Königin Elisabeth I. (1533-1603), regierend ab 1558. Sie stellte an den damaligen Herrn von Blarney, Dermot McCarthy, das Ansinnen, sich zum Zeichen seiner Loyalität samt Schloss zu unterwerfen. Was Dermot wenig freute.

    „More Blarney talk!“

    Bilder, nicht Buchstabenwald!

    Doch er fand eine für Iren ungewöhnliche Form des Widerstandes: Er beschwatzte und verwirrte die Abgesandten der Königin derart brillant, dass diese, als sie über ihre Mission Bericht erstatteten, zur Lachnummer des Hofes wurden. Auch weitere Versuche, Dermot McCarthy zur Herausgabe der Herrschaft über seine Trutzburg zu bewegen, scheiterten in gleicher Form. Elisabeth, der man selbst höchste Beredsamkeit zuschrieb (was man auch in den Shakespear’schen Darstellungen nachvollziehen kann), bezeichnete daraufhin das, was Ihre Unterhändler zu berichten wussten, als „more Blarney talk“ und hatte damit auch Unsterbliches für die Wörterbücher getan: Seit damals steht die Bezeichnung „Blarney“ für „Die Fähigkeit, mit schönen Worten und sanfter Sprache ohne jegliche Aggressivität zu beeinflussen und zu schmeicheln.“

    Ein Stein kommt ins Rollen

    So nett und überzeugend die königliche Wortschöpfung auch sein mag, sie war doch ein wenig zu nüchtern, um einen Mythos zu begründen. Also musste man einen Stein des Anstoßes finden – und der lagerte im obersten Stockwerk von Blarney Castle, gleich unter den Zinnen. Einer der Herren von Blarney (vermutlich nicht Dermot) soll eine alte Frau vor dem Ertrinken (oder ertränkt werden) bewahrt haben. Als Dank dafür sprach sie einen Zauber aus: Er sollte einen Stein hoch oben an seinem Schloss küssen und dafür mit überzeugender Eloquenz gesegnet werden. Damit war die Sage des „Rhetoriksteines“ geboren und neben der Beredsamkeit sollte auf Blarney Castle auch Jahrhunderte später ein niemals versiegender Touristenstrom einkehren.

    Einfach gilt nicht

    Niemand weiß mehr, wann und warum sich um das Küssen des Steines ein kompliziertes Zeremoniell entwickelt hat. Es gibt jedoch feste Regeln, wie der Stein zu küssen ist, damit er seine Wirkung entfalten kann: Bewerber um die Eloquenz haben sich, auf dem Rücken liegend, nach hinten zu beugen, den Kopf in den Nacken zu legen und in dieser Stellung den Kuss anzubringen. In früheren Zeiten war das Ringen um Beredsamkeit mit Hilfe des Steines ein höchst gefährliches Unterfangen, denn man gelangte nur in Kussnähe, wenn man an den Fussknöcheln gehalten wurde und das auch noch 30 Meter über dem tiefen Abgrund hängend. Nach einigen Todesstürzen wurde die Lage entschärft und abgesichert, dennoch braucht man auch heute einen Helfer und muss die beschriebene Lage einnehmen. Beredsamkeit fällt einem eben doch nicht so leicht in den Schoß, nicht einmal auf Blarney Castle. Wie zuträglich es für die Gesundheit ist, den Stein zu küssen, mögen Wissende entscheiden, das gute Stück ist leicht kohlehältiges Kalkgestein. Und die Frage der Hygiene wollen wir bei einer solch netten Sage erst gar nicht stellen.

    11 Trinity Place, NY 10006

    Fazit: Wer seinen nächsten Urlaub nicht in Irland macht, sondern in New York, der kann ja ins irische Pub Blarney Stone gehen und dort einen heben. Eine Steinwand gibt es dort auch und Tatjana trank dort erst kürzlich herrliche Margaritas.

  • Komfortzone verlassen und was dann?

    Alle wollen raus aus der Komfortzone. Warum nur? Ich nicht mehr. Viele Jahre hab‘ ich ohne doppelten Boden gelebt und bin voll auf Risiko gegangen. Schwanger mit 19, selbständig mit 24, am Stück 33 Jahre lang geraucht, klinisch tot mit 35. Nein, kein Nah-Toderlebnis. Die gute Nachricht dafür: Ich habe überlebt. Oft wurde ich gescholten: wie verantwortungslos, zu viel Arbeit, für Kinder wenig Sicherheit, ein viel zu gefährliches Leben, lieber leiser treten.

    Heute ist die Welt kälter und ich älter als noch vor 10 Jahren. Alle sehnen wir uns spürbar stärker nach Sicherheit für uns und unsere Lieben. Den eigenen Schweinehund gelegentlich mal zu überwinden ist völlig okay, aber dauernd „Welt retten“ zu spielen, grenzt an blanke Selbstüberschätzung. Uff! Für manche wäre es wirklich besser, sie würden wenigstens innerhalb ihrer eigenen Komfortzone endlich mal eine Expertise aufbauen und sich dort unverzichtbar machen. Daheim fehlen und im Job wenig reißen, rechtfertigt die empfundene Wichtigkeit noch nicht. Diese Doppelschlappe bringt keinem was, am wenigsten dem eigenen Ego. Warum erzählen Menschen 2017 anderen immer noch, dass sie ausbrechen sollen aus Konventionen? Ich sehe links Extreme und rechts Fanatiker, aber weit und breit kaum mehr Konventionen. Die Mitte scheint sich sogar politisch in Luft aufgelöst zu haben. Einst spießige Gesellschaftskreise haben Flügel gebildet und sich in Splittergruppen verteilt. Die jeweiligen Anhänger verziehen sich dort offenbar lieber in Ecken und zuweilen zwielichtige Nischen ohne klare ideologische Kanten. Platz gibt es jetzt dafür im Zentrum genug. Dort, wo vor einigen Jahren alle herum gestanden sind, ist Platz, den großen Komfort erleben dafür nur noch wenige. „Auf Risiko“ setzen, ist zur Mainstream-Lüge geworden und führt allzu häufig sozial bergab. Jemand, der ein schlechter Verkäufer ist und auch noch beschließt sich selbständig zu machen, verlässt durch die mangelnde Selbsteinschätzung seine Komfortzone noch nicht, sondern eher seine soziale Absicherung. Mit Anlauf ins Verderben zu galoppieren, ist wenig tugendhaft, dafür „Vollgas Risiko“. Die Kirche im Dorf und den Verstand im Kopf lassen Komfortzonen-Ausbrecher nicht immer. Vor dem Hintergrund, dass unser Leben irgendwann ohne eigenes Zutun begonnen hat und unverhofft enden wird, ist die Geschichte mit der großen Waghalsigkeit für die Jahre dazwischen überschaubar originell. Weiterlesen