Rechtschreibung interessiert Dich Nüsse?

Schreibkompetenz ist wieder in, Koma-Texten out!

Bis vor einigen Jahren hieß es: unsere Kinder verlieren durch die sozialen Medien Schreibkompetenz. Schnelltexten, wie bei SMS oder Whatsapp, hat sichtlich zu neuen Auswüchsen geführt. Die australische Forscherin, Jennie Carrol, entdeckte zahlreiche Krankheitsbilder bei Teenagern. Beim „Koma-Texten“ werden Unmengen an sinnentleerten SMS verschickt, um das Selbstwertgefühl zu stützen. Unter dem „post-textischen Stress-Syndrom“ leiden Menschen, die rund um sich gar nichts mehr wahrnehmen, weil sie nur noch Augen für den Daumen und das Display haben. „Textaphrenie“ beschreibt hingegen das Gefühl, eine Nachricht erhalten zu haben, obwohl man nichts bekommen hat.

Doch der Wind, der beispielsweise um die Rechtschreibung gemacht wird, dreht sich gerade wieder. Ins Auge der sozialen Netzhaut rückt neuerdings wieder unser Schreibniveau – dank Facebook, Twitter, Xing, Linkedin & Co. Bei Profileinträgen ohne Grammatik- & Fallfehler auszukommen und keine sichtbaren orthografischen Baustellen zu haben, ist entscheidend. Schließlich googeln auch Personalisten und zukünftige Chefs unsere Profile. Vielleicht stattet uns aber auch das letzte Date heimlich einen Chronikbesuch ab. Die wackelige Rechtschreibung ist dann weder karrierefördernd noch wirkt sie sexy. Immer stärker steht zudem im Vordergrund WIE getextet und formuliert wird. Schnell unterscheiden sich hier die Deppen von den Denkern. Über Jahre kleben neben anderen Peinlichkeiten auch unsere digitalen Rechtschreibsünden im Netz der Google-Giftspinne und warten darauf, entdeckt zu werden. Intellektuelles Mobbing tut besonders weh, ist peinlich und wird lange konserviert. Das alles ausgerechnet in einer digitalen Welt, in der man über ein tadelloses Online-Profil verfügen sollte und gemocht werden will. Viele, vorzugsweise junge, Damen machen auf Facebook den Eindruck sie bräuchten mehr Kleidung und vor allem einen Duden! Unterschieden wird freilich zwischen:

  1. Flüchtigkeitsfehlern

Typische Buchstabendreher, „Plenk“-Lücken oder kleine Ungenauigkeiten in der Interpunktion fallen seltener ins Gewicht.

  1. Fehler aus Unsicherheit

Wer „dass“ noch immer mit „ß “ schreibt und Albtraum mit „p“, zeigt, dass er seit der letzten Rechtschreibreform 2007 schriftlich aufgehört hat mit zu lernen. Zwischen den Zeilen liest man daher eher den Jahrgang, als ein Bildungsdefizit heraus.

Beispiel:

Hobbies statt Hobbys: bereits seit der Rechtschreibreform von 1996 wird der Plural von englischen Fremdwörtern, die auf –y enden, mit –ys und nicht mehr mit –ies gebildet.

  1. Fehler aus Unwissenheit

In diese Kategorie fallen daher alle Fehler, die vom Verfasser nicht erkannt werden können, weil sie ihm gar nicht bewusst sind. Sprache ist – auch in schriftlicher Form – ein Indiz für Milieu, Bildungsgrad und Herkunft. – Das „ß“ wird in der deutschen Sprache beispielsweise in der Schweiz oder in Liechtenstein gar nicht verwendet. In diesen Ländern wird selbst statt „ß“ ein „ss“ geschrieben. Vielen Menschen fällt es schwer zu unterscheiden zwischen: als/wie, seid/seit und tod/tot.

Häufige Fehler:

insbesonders statt insbesondere

das meistgelesenste Buch statt meistgelesene,

Falsche Schreibweise Korrekte Schreibweise
rauh rau
orginal original
assozial asozial
Seriösität Seriosität
Verwandschaft Verwandtschaft
vorraus voraus
Reperatur Reparatur
Singel Single
Babies, Hobbies Babys, Hobbys
Gruss Gruß
Grüsse Grüße
Rythmus Rhythmus
brilliant brillant
ein bischen ein bisschen
desweiteren des Weiteren
wiederspiegeln widerspiegeln

 

Fazit: Das Internet ist der größte Gratisverlag der Welt ist. Jeder Idiot kann hier publizieren. Daher ist es doppelt wichtig, sich zu unterscheiden. Gedankliche Raffinesse, rhetorisch-logische Schlussfolgerungen und ausdrucksstarke Sprache trennen hier Spreu vom Weizen.

Quelle: Tatjana Lackner, „Die Kommunikationsgesellschaft – Lackners Labor“, Austrian Standards plus Publishing

  • ISBN-10: 3854023006
  • ISBN-13: 978-3854023005