Was ist Deine Gesprächskarotte?

Professor Steven Reiss entwickelte das nach ihm benannte „Reiss-Profile“[1]. Ende der 1990er Jahre stellte er in Studien fest, dass unser Sinn im Leben von der Befriedigung dieser 16 Lebensmotiven abhängt.

16 Lebensmotive Streben nach … Erkennbar an Aussagen, wie:
1. Macht: Erfolg, Leistung, Führung und Einfluss

 

„Tja, von nichts kommt nichts!“, „Nach einem Jobwechsel kommt für mich nur eine leitende Position mit mehr Budget in Frage.“
2. Unabhängigkeit: Freiheit, Selbstgenügsamkeit und Autarkie

 

„Wäre es nicht toll sein Essen nicht mehr aus dem Supermarkt beziehen zu müssen, sondern selber alles anzubauen?“
3. Neugier: Wissen, Wahrheit, Erkenntnis „Ich freue mich auf mein Auslandssemester. Lissabon bietet so viele neue Erfahrungen.“
4. Anerkennung: sozialer Akzeptanz, nach Zugehörigkeit und positivem Selbstwert

 

„Ich hab‘ gar keine Lust zu dem blöden Klassentreffen zu gehen. Weder hab‘ ich Kinder noch einen reichen Mann vorzuweisen. Die werden sich danach das Maul zerreißen.“
5. Ordnung: Stabilität, Klarheit und guter Organisation „Wie schaut es in Deinem Kasten aus? Bei mir zuhause hängen alle Blusen mit dem Haken nach innen nach Farben sortiert. Ich könnte so nicht leben“
6. Sparen/Sammlen: Besitz und Anhäufung materieller Güter

 

„Warum kaufen wir davon nicht gleich zwei oder drei, dann sind sie erstens billiger und davon kann man nie genug haben?“
7. Ehre: Loyalität und moralischer, charakterlicher Integrität

 

„Wenn sie blöd über meine Studentenverbindung redet mache ich Schluss.“
8. Idealismus: sozialer Gerechtigkeit und Fairness „Philosophie ist ein geniales Studium. Man lernt was große Geister gedacht haben.“
9. Beziehungen: Freundschaft, Geselligkeit, Nähe zu anderen und Humor

 

„Je mehr unserer Freunde in den Urlaub mitkommen, umso lustiger wird es. Ich kann wirklich niemanden an meiner Seite brauchen, der mich nur für sich alleine haben will.“
10. Status: Prestige, nach Reichtum, Titeln und öffentlicher Aufmerksamkeit, „elitär“ und anders zu sein

 

„Meine Kinder stecke ich sicher nicht in öffentliche Schulen. Ich bin auch vom windigen Privatschulmodell nicht restlos überzeugt, deshalb haben wir uns für eine renommierte internationale Schule entschieden.“
11. Familie: Fürsorglichkeit und Familienleben (besonders danach eigene Kinder zu erziehen)

 

„Ich liebe es mit meinen Kindern zu kuscheln und einfach zusammen zu sein. Oft plagt mich das schlechte Gewissen, weil ich viel arbeite.“
12. Rache/Wettkampf: Konkurrenz, Kampf, Aggressivität und Vergeltung

 

„Na, der Mitbewerb soll sich warm anziehen. So ein Produkt haben die nicht am Start.“
13. Schönheit: einem erotischen Leben, Sexualität, Sinnlichkeit und Ästhetik, Design, Kunst

 

„Ich liebe Caspar David Friedrich und kann überhaupt nicht verstehen, wie man an solch einem Gemälde achtlos vorbei gehen kann.“
14. Essen: Nahrung, Genuss „Die Portionen im Schweizerhaus sind in Ordnung. Da bekommt man noch etwas für sein Geld.“
15. Körperlicher Aktivität: Fitness und Bewegung „Ich glaube nicht, dass ich eine Woche ohne Sport leben könnte. Mir tut dann sofort alles weh.“
16. Ruhe: Entspannung und emotionaler Sicherheit, Stressvermeidung

 

„Meditation hilft mir dem stressigen Alltag zu entfliehen.“

Das ist nicht nur bei uns selbst so, sondern auch bei unseren Familienmitgliedern, Patienten, Kunden und Partnern. Auch bei Personen des öffentlichen Interesses, wie etwa Politikern oder Celebrities, bekommen wir öfter mit als uns lieb ist, was sie für erstrebenswert halten. Aus dem Wohnzimmersessel können wir erleben, wodurch sich für den Promi ein sinnerfülltes Leben zusammensetzt. Die Motive sind nicht immer mit unseren deckungsgleich. Deshalb sind Probleme vorprogrammiert, wenn die Top 5 Lebensmotive des geliebten Menschen an unserer Seite nicht mit unserer übereinstimmt. Fatal, wenn sie im Urlaub Ruhe und Zweisamkeit sucht und er sich insgeheim nach Remmidemmi sehnt – so, wie mit seinen Kumpels im Vorjahr.

Wer Menschen beim Reden zuhört, der weiß, was sie denken. Sie teilen uns mit, wofür sie zu haben sind und was sie hingegen ablehnen: „Ich habe mein Studium eigentlich nur gemacht, weil es in unserem Land immer noch wichtig ist einen Titel zu haben.“ Sie müsse kein Kommunikations-Profiler sein, um klar herauszuhören, dass hier jemand nicht gerade von brennender Neugierde und dem Wissensdurst getrieben zum Betriebswirt wurde. Antreiber Nr. 1 war wohl eher das Bedürfnis nach Anerkennung. Der akademische Status ist die Belohnung für die Lernstrapazen.

Diese 16 Lebensmotive spielen in der manipulativen Ecke der Kommunikation eine wichtige Rolle. Schließlich hören auch andere was wir für wichtig halten und wer die richtigen Knöpfe drückt, kann uns manipulieren. Statusgetriebene und Machtorientierte sind leichter zu ködern, als Freigeister und autarke Zeitgenossen. Selbstverständlich sind auch sie rhetorisch einzufangen, wenn man weiß welche Themen in ihrem Lebensraum Priorität haben.

Gerade für Führungskräfte ist es wichtig, die eigene Motivation und die der Mitarbeiter zu kennen und stets zu hinterfragen. Im Buch[2] „Be Boss – 33 Stolpersteine beim Führen und Kommunizieren“ habe ich schon 2008 einen Selbsttest integriert.

Stressoren und Motivatoren im digitalen Zeitalter

„Was Du hast noch nie von der „Babbel-App“ gehört? Das wäre für Euren Urlaub sicher cool?“ sagt Veronika zu ihrer Freundin Nina, die gerade mit ihrem Kleinkind beschäftigt ist. „Nein, aber Vroni ganz ehrlich es ist mir auch wurscht. Ich fand es vorhin schräg, dass Du immer noch denkst unser „Cybex“-Kinderwagen wäre ein „Bugaboo“!“

Was ist nur aus denen geworden? Es gab Zeiten da hätte kein Blatt zwischen die beiden Freundinnen gepasst und heute können sie sich nicht unterhalten ohne innerlich gleich wieder die Augen zu verdrehen. Das Leben hat sie auseinandergetrieben, wie Blätter im Herbstwind. Die eine ist erfolgreiche Social Media Expertin und durch technischen Fortschritt, Zukunftschancen und gesellschaftlichen Status beeindruckbar. Gelegentlich kommt ihr ihre kluge beste Freundin vor, wie ihre eigene Oma, der sie jede technische Neuerung geduldig erklärt. Veronika hingegen hat andere Themen auf dem Radar. In Ihrem Leben geht es um Familie, die gesunde Erziehung ihres Kindes und die Essensmengen, die die Kleine täglich zu sich nimmt. Sie kümmert sich pflichtbewusst und vorausschauend um einen zweisprachigen Kindergarten und nimmt die Erziehung ihres Kindes ernst. Für sie ist nicht nachvollziehbar warum Claudia mit 38 Jahren immer noch keine Familie möchte. Da gibt es aktuell recht wenig Berührungspunkte fürs „Beste-Freundinnen-Bonding[3]“.

Dabei wäre es gar nicht so schwer Gemeinsamkeiten zu finden. Beide sind trotz ihrer verschiedenen Lebenssituationen Idealistinnen: Claudia ist davon überzeugt, dass die digitale Revolution gerade sozial Schwächeren Chancen bringen wird und Veronika hat sich schon in der Schule für soziale Projekte interessiert. Schnittpunkte lassen sich fast immer finden!

 

Fazit:  Zu manchen Zeiten ist es wichtig das Verbindende vor das Trennende zu stellen, wenn wir in Kontakt bleiben wollen. Mit wichtigen Menschen in unseren Leben ist es interessant die Werte und Lebensmotive abzugleichen. Gemeinsamkeit siegt in der Kommunikation.

Coachingtipp: Besonders für Videokonferenzen und Webinare ist die Fähigkeit viele Menschen zu verbinden gefragt. Spüren Sie beim nächsten Telefonat oder im geplanten Meeting aktiv thematische Schnittpunkte auf.

 

[1] Steven Reiss, „Das Reiss Profile – die 16 Lebensmotive“, Gabal, USA 2008

[2] Vgl. Tatjana Lackner/Triebe „Be Boss – 33 Stolpersteine beim Führen und Kommunizieren“, Manz’sche Verlags- und Universitätsbuchhandlung, 2008

[3] Innerliche emotionale Bindung