Das Wort “Entschuldigung” ist kein Radiergummi

31. Januar 2022 von Tatjana Lackner, MBA

Die Freundin rät: “Los! Entschuldige Dich lieber!” Die andere: “Ich habe doch eh “sorry” gesagt!”. Oje! 

Vorsicht! Wir können uns “nicht selbst ent-schuldigen“, sondern maximal um Verzeihung bitten. Denn die “Schuld” wird, wenn überhaupt, nur durch den Geschädigten bzw. Beleidigten abgenommen. Viel zu inflationär verwenden manche Wörter wie: “sorry”, “tut mir leid”, “das wollte ich nicht” und glauben, dass damit der Währungsumrechner wieder auf null steht und die Welt sich für sie konsequenzlos weiterdreht. 

Billige Entschuldigungen und schräges Mitleidgewinsel kommen überall vor und machen die brisante Situation oft schlimmer. Beispiele? Runtastic-Gründer Florian Gschwandtner, der in der Pandemie eine verbotene Aprés Ski-Party feierte und obendrein so clever war diese zu posten. Mehrere Partygates haben auch Premierminister Boris Johnson geschadet, der es in der eigenen Wohnung krachen ließ. Roman Rafraider hingegen zog es vor, sich nach seinem lallenden TV-Auftritt rauszureden. Prinz Andrew wiederum, Buddy vom toten Milliardär-Triebtäter Epstein, hätte einen Prozess vermeiden können – die damals Minderjährige Virginia Roberts Giuffre wollte lediglich eine Entschuldigung. 

Entschuldigungsversuche schlagen fehl, wenn: 

  • der Subtext nicht stimmt (und die Abbitte hörbar wenig Tiefgang hat oder unehrlich gemeint ist) 
  • sie zu schnell kommen (für das ehrliche Bedauern braucht es Reflexion und die kann zeitlich noch gar nicht eingetreten sein) 
  • sie als Übersprungshandlung eingesetzt werden (nur weil man mit der gespannten Atmosphäre nicht umgehen kann und ganz schnell wieder “gut sein” möchte) 

Entschuldigungen brauchen immer: 

  • einen Lösungsvorschlag für die Wiedergutmachung als ersten gemeinsamen Schnittpunkt  
  • den Brillen- bzw. Perspektivenwechsel, damit sich der andere gelesen fühlt und weiß, wofür Sie sich tatsächlich entschuldigen wollen. 
  • und erst danach fragt man das Stimmungsbarometer ab (Ist damit die Sache auch für den anderen wieder bereinigt?). 

Fazit: Wer einen Fehler ehrlich eingesteht und sich auch gleich überlegt, wie dies in Zukunft verhindert werden kann, der kämpft mit offenem Visier und klaren Worten um Vergebung. Dadurch steigen die Chancen auf Wiedergutmachung und einen klimatischen Neubeginn. 

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