Die vier Jahreszeiten in der Kommunikation

Vieles auf unserer Welt verläuft zyklisch. Ebbe und Flut, die Zellenbildung, manche Aktien, ja sogar tropische Wirbelstürme. In den letzten 25 Jahren, in denen ich Menschen in Bezug auf ihre 19Kommunikation beobachte, fällt mir auf, dass zu bestimmte Jahreszeiten unterschiedliche rhetorische Methoden gebucht werden.

Im Frühjahr stehen häufig Gehaltsverhandlungen an. Vielleicht sind deshalb Trainings rund um Eigenpräsentation, Self-Marketing und Bewerbung zwischen Februar und April besonders gefragt. Anfang des Jahres beobachte ich regen Zulauf bei Präsentations- und Storytelling-Spins, da offenbar im ersten Quartal viele neue Ideen und Projekte vorgestellt werden. Sprechtechnik und Stimm-Modulation sind in unserer Gesellschaft wichtig. Wie jemand klingt ist nicht egal und lässt tief blicken.

Die ersten Frühlingsfeste verlangen Netzwerk Skills. Wer hier den Unterschied zwischen privatem Small Talk und Business Small Talk kennt, der ist sehr gut beraten. Fragen, wie „Was gibt es Neues in meiner Branche?“, „Wohin zeigen die Trends?“ führen automatisch zu anderen Gesprächsinhalten, als „Wohin geht es in den Urlaub?“, „Und auf welche Privatschule geht Dein Sohn?“.

Die „große Kunst des kleinen Gespräches“ bedeutet gut ins jeweilige Thema einzusteigen und noch wichtiger: schnell wieder aus dem Small Talk heraus zu kommen ohne unhöflich zu wirken. „Netzwerken“ funktioniert eben nicht, wenn man gleich am ersten Tisch den gesamten Abend über hängen bleibt. Unter „Socializing“ versteht man sich mit vielen interessanten Menschen auszutauschen.

Im Sommer fahren Familien in die Ferien. Man lebt auf kleinerem Raum, als zu Hause und Reibung ist vorprogrammiert. Schließlich erwartet von der schönsten Zeit im Jahr jeder etwas anderes. Streitgespräche drücken auf die Familiendynamik und manchem auf die Psyche. Clever verhandeln und eintauschen verlangt Kreativität und gute Überzeugungsarbeit. Perspektivenwechsel helfen beim Schlichten zwischen den Familienmitgliedern – egal, ob groß oder klein: „Du findest also, dass …?“ „Ich erlebe es hingegen so,  ….“ Wer in der Familie Streitkultur pflegt und die Bedürfnisverhandlung; sogar regelmäßig trainiert, der kommt paradoxer Weise langfristig harmonischer durch. Wer schon vor dem Urlaub ein Spin-Training für „Schlagfertigkeit“ besucht, ist gut gerüstet.

Im Herbst warten in vielen Firmen Feedbackgespräche. Noch ist das Jahr nicht zu Ende und Manöverkritik vor dem Jahresabschluss nötig. Die ohnehin dunklere Zeit im Kalender breitet ihre melancholischen Flügel aus und Selbstzweifel sind bei manchen Menschen die Folge. Trainings, wie „Verbales Charisma“ und „Körpersprache“ boomen. Gerade im Spätherbst erlebe ich viele Kunden, die sich im Coaching für die eigene Standortbestimmung und ein Profiling interessieren. Wer den Blick nach „innen“ wendet, begegnet recht bald der eigenen Atemtechnik. Bei manchen ist es wirklich kein Wunder, dass sie sich „außen“ im Gespräch zu wenig gehört fühlen, wenn sie „innen“ schon keinen Platz schaffen für den eigenen Atemstrom. Stimmtraining hat mit Resonanz zu tun.

Winter ist die Zeit der Rückblicke. Weihnachten ist gar keine stille Zeit, sondern eine in der es dafür hoch hergeht und manche meiner Kunden lernen müssen „Nein“ zu sagen. Harmonie und süße „Jingle Bells“ gibt es nur in wenigen Haushalten. Stattdessen sind Killerphrasen und schwarze Rhetorik vielerorts erlebbar. Dabei begegnen uns Statusspiele nicht nur in der Familie, sondern auch auf Weihnachtsfeiern und vor Punschhütten.

Fazit:

Im Zuge eines Jahres legen wir einige tausend Gesprächskilometer zurück. Wer weniger Worte braucht spart physische Ressourcen. Schweigen lädt den Akku auf und klar zum Punkt kommen spart Lebenszeit.