Expertentipps für die Arbeitssuche

Bewerben leicht gemacht

Wir haben tolle Kunden in der Schule des Sprechens, viele sind selbst Buchautoren. – Ihnen habe ich in unserem monatlichen Newsletter eine eigene Fixkolumne gewidmet. Gerne interviewe ich vielseitigen Autoren, Sammler und Experten. Manchmal präsentiere ich diese Gespäche auch hier in meinem Blog. Hier das Interview mit Buchautor Peter Miklavcic:

Tatjana Lackner:

Du und Co-Autorin Linda Syllaba gebt in Eurem Buch „Expertentipps für Arbeitssuche und Bewerbung“ auf großzügig bebilderten 163 Seiten. Der Markt ist überschwemmt von Jobratgebern und Praxisanleitungen, die detailliert beschreiben, wie das mit dem Bewerben richtig abläuft. Was konkret hat Euch noch gefehlt?

Peter Miklavcic:

Eine kompakte Hilfestellung für die Arbeitssuche – ganz speziell für Österreich! Der Impuls kam von unseren Kunden… da wir in den letzten Jahren über 7.000 Karriereberatungen gemacht haben, kam immer wieder die Frage, ob wir nicht unsere Erfahrung leicht verständlich in einem Leitfaden zusammenfassen können. Und so ist das Buch auch geschrieben und gestaltet: leicht zu lesen, mit Lust zum Schmökern… als Leitfaden, in welchem die Leser die Themen raussuchen können, die sie im Moment gerade brauchen!

Tatjana Lackner:

Stichwort: Stärkenanalyse. Bestimmt ist es gut sich selbst zu kennen, aber der Markt entscheidet letztlich, wer einen Job bekommt. Mit Sicherheit bewerben sich von den 500.000 Arbeitssuchenden in Österreich einige ordentlich falsch, weil sie die Stellenanzeige nur ungenügend decodieren oder sich völlig unzureichende Vorstellungen vom neuen Dienstgeber machen. Dein Buch stellt um einmal mehr den Bewerber in den Fokus. Warum nicht den Jobmarkt und das „richtige Lesen“ der Stellenanzeigen?

Peter Miklavcic:

Wir stellen in den Vordergrund, wie mein idealer Job aussehen soll! Was muss mein Job an Must-Have-Kriterien erfüllen und was sind daneben Nice-to-Have-Kriterien? Darauf kommt es an – sich eine Arbeit zu suchen, die man dann auch gerne macht, in die man täglich mit gutem Gefühl hingehen kann! Denn etwas mit Freude und großem Interesse zu tun, ist die beste Voraussetzung, im Job auch richtig gut zu werden – und: wer tut, was er liebt, für den wird auch kaum eine Arbeit zu schwer oder zu belastend! Viele fragen: Was ist ein guter Job und denken dabei an Image, Sicherheit etc., anstatt zu fragen, wie sieht für mich ganz persönlich der ideale Job aus? Denn Jobs, die nicht zu mir passen, werden auf Dauer belastend und machen krank.
Die Stärken werden dann wichtig, wenn ich genau weiß, wo ich hin will, um mich gut zu verkaufen. Da gilt dann: „Tu Gutes und sprich darüber!“ Nur so wird mein Mehrwert für Arbeitgeber erst sichtbar!
Einen wichtigen Punkt hast du auch angesprochen: Vor der Bewerbung sich eingehend über den Dienstgeber zu informieren ist immens wichtig… so spart man sich und dem Unternehmen unnötige Bewerbungen, Zeit und Nerven.

Tatjana Lackner:

Trotzdem wir heute alle Computer haben, gibt es vereinzelt immer noch Schreibmaschinen zu kaufen. Die Nachfrage ist jedoch überschaubar und der Absatz deutlich zurückgegangen. Was empfiehlst Du jenen Menschen, die für die moderne Arbeitswelt schlicht nichts zu bieten haben, weil sie noch nicht in der Wissensgesellschaft angekommen sind?

Peter Miklavcic:

So gut wie jeder hat ein Angebot für die Arbeitswelt… wenn auch nicht für die digitale. Auch Menschen ohne Ausbildung empfehle ich danach zu fragen, was kann ich und was mache ich gerne? Nach wie vor braucht es Menschen, die körperlich zupacken und manuelle Tätigkeiten tun… und wer auch hier die Arbeit findet, die zu ihm passt, hat die Nase vorn gegenüber den Unmotivierten und Unwilligen, die im falschen Job sind!
Jungen Menschen empfehle ich: achtet auf gute Bildung und bleibt dran, lebenslang weiter zu lernen! Das gilt für jene, die auf die Uni gehen genauso wie für jene, die sich als qualifizierte Facharbeiter immer weiter spezialisieren und damit ganz wertvolle Mitarbeiter in Unternehmen sind.

Tatjana Lackner:

Moderne Prezi-Bewerbungen, Charts, Landing Pages oder Pod-Casts sind doch viel moderner – die findet man im Buch jedoch nicht, warum? Schließlich wollen ja nicht alle in einer Bank arbeiten, wo die Bewerbungsform neutral zu sein hat. Wieso muss ein „richtig“ geschriebener Lebenslauf aussehen, wie eine anonyme Faktura, obwohl er doch „das Herzstück der Bewerbung“ sein soll?

Peter Miklavcic:

Die von dir angesprochenen Formen der Bewerbung sind zwar cool, aber doch ein Minderheitenprogramm. In einzelnen Branchen wie z.B. der Kreativ-Branche… oder wenn ich initiativ unbedingt in ein Unternehmen will, sind sie ein tolles Tool, wo es unbedingt darum geht, individuell aufzufallen. Für mehr als 95% der Stellen brauch ich jedoch einen Lebenslauf, wo der Recruiter in 20-30 Sekunden meinen Mehrwert für das Unternehmen erkennt! Und hier liegt der Nachteil oder die Herausforderung der alternativen Formen: dass Recruiter dafür auch mehr Zeit brauchen, diese anzusehen oder anzuhören. Daher: wenn man sich für diese Formen entscheidet, dann müssen Sie so professionell und gut sein, dass sie die Adressaten meiner Bewerbung einfach umhauen und zum geteilten Inhalt im Unternehmen werden! Doch ich nehme den Tipp auf: Vielleicht schreib´ ich im nächsten Buch speziell über alternative Bewerbungsformen!

Tatjana Lackner:

Ich erlebe täglich, dass es vielen Bewerbern aus dem mittleren und höheren Management besonders schwer fällt, sich nach Jahren in Führungspositionen wieder bewerben zu gehen. Die Zielgruppe der „Expertentipps“ ist aber offensichtlich nicht das C-Level. Warum nicht?

Peter Miklavcic:

Das hängt mit unserer Praxis im Karrierecoaching zusammen: Personen aus Führungspositionen nehmen viel mehr Einzelsitzungen im Karrierecoaching in Anspruch. Da können wir dann auf jede einzelne Situation hin persönlich beraten und individuell Tipps weitergeben. So umfangreich ist das bei anderen Kunden meist aus Kostengründen nicht möglich und da hilft das Buch super weiter! Und selbst bei Führungskräften haben wir beste Rückmeldungen zum Buch… diese holen sich schon viele Anregungen aus dem Buch – ergänzt durch die individuellen Tipps in den persönlichen Coachings.

Tatjana Lackner:

Schön, dass das Buch sehr übersichtlich gestaltet ist. Ich kann mir vorstellen, dass sich die Ratgeberliteratur im Vergleich zur Belletristik für Lesungen weniger eignet. Auf Seite 146 finde ich ein Zitat von John Ruskin „Das Gesetz der Wirtschaft verbietet es, für wenig Geld viel Wert zu erhalten.“ Das mag stimmen für die Schnäppchenkultur oder die „Geiz-ist-Geil“-Generation, aber ist das auch wahr mit klarem Blick auf den Jobmarkt? Ausgerechnet die gesellschaftlich wertvollsten Berufe verdienen schlecht: Kindergärtner, Lehrer oder Pflegeberufe. Ihr schreibt völlig richtig: „Sie bekommen nie das, was Sie verdienen, sondern nur das, was Sie verhandeln.“ Doch: Warum ist der „Dienst am Menschen“ tatsächlich weniger wert?

Peter Miklavcic:

Innerhalb jeder Branche gilt der Satz… doch zwischen den Berufen und Branchen gibt es große Unterschiede. Wobei gerade in deinen angesprochenen Berufen Verdienste weitgehend fix geregelt sind und es da nur selten Verhandlungsspielraum gibt. Warum der Dienst am Menschen schlechter bezahlt wird? Vielleicht weil er monetär schlechter messbar ist, und – leider auch ein Grund – das auch eher frauendominierte Berufe sind.

 

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