Moderne Gesprächsführung zwischen “Mansplaining” & “Mumsplaining”

21. Juni 2024 von Tatjana Lackner, MBA

Mansplaining ist ein Kofferwort aus “Man” und “Explaining”. Darunter versteht man Männer, die “dem schwachen Geschlecht” die Welt erklären. “Also lassen Sie mich das mal für Sie ins rechte Licht rücken …” oder “Ich erkläre Ihnen das gerne mal genauer, Engelchen …” sind Satzanfänge, die modernen Frauen auf den Geist gehen. Niemand will als naives Dummchen behandelt werden, dem ein Universalauskenner sagt, wie es sich im Leben abspielt. 

Ich für meinen Teil brauche das weder von Männlein noch von Weiblein und auch die dazwischen und außerhalb mögen bitte nicht ungefragt schlaumeiern und “Patronising” im großen Stil betreiben. Etymologisch geht dieser Begriff zurück auf das 12. Jahrhundert1. Im Mittelalter bezeichnete man im Lateinischen den “Patronus” als Herr und Meister. Im Deutschen fällt Bevormundung unter eine herablassende, lehrmeisternde, manchmal sogar gönnerhafte Gesprächshaltung.  

Nachdem aufgeklärte junge Männer all diese Fehler ohnehin kaum mehr begehen, tut sich in der modernen Gesprächsführung schon das nächste Loch im Boden auf: “Mumsplaining”. Auch dieser Neologismus setzt sich zusammen aus “Mum”, dem englischen Wort für Mutter und “explaining” und referenziert auf Mansplaining als Vorlage. 

Darunter versteht man diesmal eine Frau, die im besten Fall bereits geboren hat und nun alle im “Mutti”-Ton tadelt oder belehrt. Auch sie ist eine Besserwisserin der Sonderklasse. Diese “Eh-alles-Schupferin“ kommuniziert vorrangig aus dem Eltern-Ich, was andere um sie herum automatisch zu Kindern macht. Dabei stört es sie gar nicht, dass sie mit ihren resolut vorgetragenen Weisheiten andere brüskiert. Mumsplaining konnte ich bereits bei einer 19-jährigen Teenagerin beobachten, die selbst gegenüber ihrer eigenen Mutter kopfstimmig zur Erziehungsberechtigten wurde – und das alles nur, weil ein noch kleinerer Mensch neben ihr im Kinderwagen lag. 

Vieles befindet sich im Wandel. Auf der einen Seite verrohen die guten alten Sitten, also die gesellschaftliche Moral samt ihren Werten und Institutionen. Heute gilt: Anything goes! Manche Lehrer beispielsweise sind schon dankbar, wenn Kinder nicht in der Jogginghose zum Unterricht erscheinen. Auf der anderen Seite sind die Gesetze und Regeln nicht weniger geworden. Komplexe Zusammenhänge müssen für Rezipienten “herunter gebrochen” werden. Experten werden medial zu Bescheidwissern & Auskennern hochstilisiert. Manche von ihnen sieht man im TV öfter als amtierende Minister. Kaum jemand kennt beispielsweise das Gesicht von Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig, der im Streit mit Umweltministerin Eleonore Gewessler im Sommer 2024 für Schlagzeilen sorgte. Dafür ist Politik-Experte Peter Filzmeier aus der “Zeit im Bild” gar nicht mehr wegzudenken.  

Fazit: Viele entwickeln dieser Tage ein auffallend hohes Sendebedürfnis. Altkluge Kinder, Männer im Welt-Erklärmodus oder Mütter, die allen sagen, wo es im Leben lang geht, vertragen wir jedoch nur unterschiedlich gut.  

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