Podcasts in der Medizin

Viele Ärzte entdecken Podcasts für sich. Wer stundenlang mit dem Auto unterwegs ist, der nützt Weg- und Transferzeiten um sich zu informieren. Manche spielen sogar mit dem Gedanken selbst einen eigenen Webcast oder Hörblog zu starten.

Medizinische Podcasts sind gefragt und recht unterschiedlich gestaltet. Die Spanne reicht von interdisziplinären Fallkonferenzen über erkenntnisreiche Forschung bis hin zu Studierenden, die wiederum anderen Medizinstudenten tolle Hörerlebnisse bereiten und wertvolle Tipps liefern.

Zuletzt hat mir ein Lehrender aus dem medizinischen Bereich erklärt, dass es viele fachliche Themen außerhalb des Unterrichtes gibt, die er in der Vergangenheit im Zuge einer Arbeitswoche wieder und wieder erklären musste. Seit er auf seinen Podcast online verweisen kann, spart ihm das Routinetätigkeit und lernpädagogisch wirksam sind die Erklär-Uploads außerdem. Gerne räumt er auf witzige Weise mit gängigen Glaubenssätzen und medizinischen Irrtümern auf. Das ist auch seiner Akademie nicht entgangen. Sein Eigenmarketing und die regionale Bekanntheit haben sich durch die Podcasts deutlich verbessert. Mittlerweile lädt er sogar Kollegen aus dem Ausland zu Bloginterviews. Experten und Autoren, an die weder er noch sein Arbeitgeber früher so leicht gekommen wären. Das freut seine Chefs, denn auch sein Institut schmückt sich gerne mit Namedroppers.

Ein gelungener Hörbeitrag ist gut gesprochen21

Viele Podcasts oder Videoblogs sind grottenschlecht und schuld daran ist nicht alleine die Technik. Oft liegen die Mängel beim selbsternannten Redakteur und seiner Artikulation.

Dabei gehört Sprache zu den Kulturtechniken des Menschen. In der modernen Kommunikation unterscheiden wir klar zwischen „reden lernen“ und „sprechen können“.

Viele haben in den ersten Lebensjahren REDEN gelernt. PROFESSIONELL SPRECHEN beherrschen die wenigsten. Richtige Sprechtechnik oder Ausspracheregeln lernt man leider nicht in der Schule. Schade, denn genau dieses Rüstzeug ist später karriereentscheidend und beispielsweise für Webcasts hilfreich.

Warum ist es so wichtig welche Worte wir wählen, oder wie wir unseren Gedanken Ausdruck verleihen? Schließlich kommt es doch vor allem auf den Inhalt an? Nicht nur!

Auf der einen Seite lässt unser Rededuktus auf Herkunft, Bildungsgrad und Milieu schließen und auf der anderen Seite präsentieren wir neben dem Inhalt, wie wir Gedanken formen.

Verbale Charismatiker schaffen es, Ihre Zuhörer in ihren Bann zu ziehen. Nicht nur durch das Thema und die Dramaturgie, sondern durch die Art und Weise wie sie Geschichten erzählen. Der Begriff „Rhetorik“ hat nicht zuletzt deshalb eine steile Karriere gemacht.

Diese sieben Fähigkeiten beherrschen verbale Charismatiker:

  1. bildhafte Sprache und bunter Wortschatz
  2. klare Sätze, die logisch nachvollziehbar sind
  3. gute Alltagssprache und angenehme Sprechmelodie
  4. hörbare Bildung
  5. souveränes Redetempo
  6. überraschende inhaltliche Wendungen und Dramaturgie
  7. neue Betrachtungen und geheimnisvolle Einblicke

Warum braucht es zuerst einen “Hörer-Avatar”?

Gerade junge Mediziner kennen die Macht der Digital Voices. Überall poppen neue Blocks, Vlogs und Podcasts auf. Das wichtigste dabei ist neben der eigenen Stimme vor allem ein klar definierter Hörer-Avatar. Was das ist? Eine ganz konkrete Person, die sowohl einen Namen hat, also auch einen Job und Hobbies.

Bereits der allererste Podcast muss inhaltlich auf die Bedürfnisse dieses imaginären Menschen zugeschnitten sein. Als Produzent und Texter kennt man seinen Avatar in- und auswendig. Es reicht nicht, sich nur vorzustellen, dass die eigene Zielgruppe zwischen 25 und 75 Jahre alt ist. Mal eben anzunehmen, dass grundsätzliche Gesundheitstipps gut ankommen und man etwas über Krankheitsbilder erzählen könnte, ist nicht genug.

Ein Beispiel für einen Hörer-Avatar:

Klara, 28 Jahre alt. Demnächst reist sie nach Südostasien. Dafür braucht sie natürlich Impfungen und möchte wissen, worauf sie im Urlaub konkret achten muss. Immer wieder hat sie schon in der Heimat mit ihrem unruhigen Magen zu tun. Für wertvolle Tipps zur südostasiatischen Küche ist sie deshalb umso dankbarer. Neben tropenmedizinischen Themen interessieren sie sämtliche Gesundheitsaspekte rund um die Wirbelsäule. Mit einer sanften Verkrümmung lebt sie seit vielen Jahren und betreibt regelmäßig Ausgleichssport. Klara lebt grundsätzlich gesund und liebt medizinische Neuerungen. Es macht ihr Freude bei ihren Freundinnen längst überholte Bias oder gesundheitliche Trugschlüsse aufzudecken.

Die fünf häufigsten Anfängerfehler lassen sich vermeiden. Zuerst muss ein Redaktionsplan her. Für die meisten ist er nötig um keine inhaltlichen Doubletten zu produzieren und regelmäßig zu senden. Außerdem hilft die Vorproduktion knackige Serientitel zu finden, da man über die Podcast-Themen den Überblick behält.

Vermeiden Sie diese fünf Podcast-Sünden:

  • langweilige Titel
  • schlechte Aufnahmequalität
  • unklare oder monotone Sprechweise
  • keine klare Zielgruppe (Hörer-Avatar fehlt)
  • wer nicht vorproduziert bleibt nicht dran (Redaktionsplan fehlt)