Unwort des Jahres

Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) hat dieses Adjektiv zum Unwort des Jahres 2016 erhoben. Gemeint ist damit, dass gefühlte Wahrheiten wichtiger sind als Fakten.
Bei Licht betrachtet tummeln sich da gleich mehrere Denkfehler: Welche Zeit war demzufolge „pre-faktisch“? Oder wenigstens „faktisch“? Wann bitteschön in der Geschichte haben die Menschen ausschließlich auf Zahlen, Daten und Fakten gehört oder Statistiken für wahr gehalten? Immer schon ließen wir uns von Gefühlen leiten. Kaufentscheidungen werden selten rational gefällt. Stimmungen beeinflussen seit jeher politische Wahlen und leider auch die Bereitschaft Kriege anzuzetteln. Propaganda lebt genau davon und die Werbung ebenfalls.

Am 19. September erklärte Angela Merkel nach der verlorenen Berlin-Wahl, „wir lebten in postfaktischen Zeiten, …“ Sofort hat der Papageienjournalismus dieses Wort aufgeschnappt und von da an in Verbindung mit unerwarteten Demokratie-Entscheidungen verwendet; beispielsweise Brexit, Trump und Co. Sind die Menschen in unterschiedlichen Ländern tatsächlich alle postfaktisch oder kriegen politische Volksvertreter und Meinungsforscher einfach kaum mehr mit, was die Menge bewegt. Wie post-unpraktisch!