Filmtipp: ELVIS

29. Juni 2022 von Tatjana Lackner, MBA

Wenn man sich über schöne Stimmen unterhält, dann kommt am “Artist of the century” Elvis Presley niemand vorbei. Seit bald 50 Jahren bin ich Fan. Zusammen mit meiner Tochter habe ich schon vor Jahrzehnten die Beale Street in Memphis, das Sun Studio, in dem Elvis entdeckt wurde, und seinen Wohnsitz Graceland besucht. 

Stimmliche Topleistung 

Der neue Kinofilm des Australiers Buz Luhrmann zeigt in der Hauptrolle Austin Butler als Elvis. Tom Hanks spielt seinen Manager Colonel Parker. Das Faszinierende an diesem Biopic ist die neue Perspektive: Wie blickt der umstrittene Colonel auf die Legende? Denn: Elvis den Superstar kennen wir. Viele Mythen und Legenden ranken sich um seine Person, schon oft wurde das Leben des King of Rock ‘n’ Roll dabei aus dem Zusammenhang gerissen. Für sein Ableben suchte und fand man immer neue Schuldige. Manche glauben, Elvis noch nach seinem Tod im August 1977 gesehen zu haben. Tom Hanks, bekennender Fan, begegnet Elvis auf der Leinwand schon zum zweiten Mal. In “Forrest Gump” sang ihm der King sogar etwas vor. 

12 Minuten Standing Ovations 

Austin Butler erinnert mit seinen 30 Jahren optisch eher an den jungen Brad Pitt als an den charismatischen King. Doch seine stimmliche Arbeit ist oscarreif. Beeindruckend ist neben der präzisen Recherche, wie detailgenau er die verschiedenen Lebensphasen des Kings in Bewegung und Auftreten herausgearbeitet hat. Sogar klanglich ist die Alterung gelungen und hörbar. Den Südstaatenakzent und die phonetische Veränderung beim Singen von den 50s bis in die 70s – all das verdankt Austin Butler, der neue Shooting Star Hollywoods, seiner eisernen Disziplin und einer beeindruckenden Arbeitsmoral. Selbst kritische Fan-Ohren genießen die Bühnenauftritte und auch die gesamte Familie Presley gab ihm ihren wohlmeinenden Sanctus. Kinozuseher auf der ganzen Welt verneigen sich bewundernd vor der Arbeit, die Austin Butler mit Dialekttrainern, Gesangslehrern und Choreografen hinter sich gebracht hat. Viele haben ihn fit gemacht für die wahrscheinlich größte Rolle seines Lebens: ELVIS. Bei der Filmpremiere in Cannes gab es nach der Vorführung 12 Minuten Standing Ovations.  

Von Nickelodeon zum Oscar? 

Austin wird damit einer völlig neuen Generation die dramatische Lebensgeschichte von Elvis und seine Musik erschließen. Die Gen Z kennt Butler von Waverly Place, iCarly und anderen Nickelodeon Produktionen. 

Was verbindet den Jungschauspieler mit dem größten Soloartisten aller Zeiten? Presley und Butler haben beide im Alter von 23 Jahren ihre Mutter verloren. Beim Vorsingen hat Butler – der wie der King von Nervosität geplagt ist – für seine Mutter gesungen und diesen versteckten Schmerz hat Regisseur Baz Luhrmann offenbar gehört. Mit dieser stimmlichen Performance konnte der sympathische und bescheidene Austin Butler echte Gesangstars aus dem potentiellen Cast kicken. Angeblich war sogar Harry Styles im Gespräch – auch wenn sein Management das heute bestreitet.  

Fazit: Der sehenswerteste Musikfilm den ich je besucht habe. Die Überlänge von 2 Stunden 39 Minuten muss man mögen. Bestimmt hätte der Film – um eine Viertelstunde gekürzt – seine Wirkung nicht verfehlt. Der Soundtrack besteht aus coolen Remixes, lässt sich gut hören und reicht von Shonka Dukareh über Eminem bis zu Doja Cat. 

Meine Prognose: Dieses Biopic wird Elvis selbst 45 Jahres nach seinem Tod erneut in die Charts heben und Austin Butler den wohlverdienten Oscar einbringen. 

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