Reisen bildet: Warum kreative Workshops den Urlaub unvergesslich machen

28. Oktober 2026 von Tatjana Lackner, MBA

Es gibt Menschen, die reisen, um nichts zu tun. Sie liegen auf Sonnenliegen, bestellen Cocktails mit lächerlichen Schirmchen und nennen das: Entschleunigung. Ich bewundere diese Menschen. Aus sicherer Entfernung. Denn spätestens am dritten Urlaubstag überkommt mich das Bedürfnis, etwas zu lernen. Eine neue Fähigkeit, eine absurde Technik, irgendeine Fertigkeit, von der ich bis dahin nicht einmal wusste, dass sie existiert.  

Vor einigen Jahren habe ich deshalb begonnen, meine Reiseziele mit Workshops, Weiterbildungen oder Retreats zu verknüpfen. Eine Art arrangierte Ehe zwischen Fernweh und Wissensdurst. Beruflich relevant muss das Ganze keineswegs sein. Das Leben ist schließlich zu kurz, um ausschließlich Dinge zu lernen, die sich im Lebenslauf verwerten lassen. 

Kreative Workshops in Australien: Von Resin-Art bis Teddybären 

Mal trainiere ich meine schöpferische Kompetenz in Schreibseminaren, mal versuche ich beim kreativen Journaling, meinem Innenleben eine halbwegs ästhetische Form zu geben. In Westaustralien erlernte ich gleich drei Maltechniken rund um Acryl und Resin-Art. 

An der australischen Ostküste, in Surfers Paradise, landete ich sogar in einem Teddybären-Workshop. Während andere ihre Körper auf Surfbrettern perfektionierten, stattete ich einen Stoffbären mit Kleidung und einer persönlichen Sprachbotschaft für meine Enkelinnen aus. Man muss Prioritäten setzen. Und manchmal trägt die große Liebe eben Plüsch. 

Malediven & Mauritius: Wo selbst Müll zur Kunst wird 

Die Malediven gelten gemeinhin als Paradies für Menschen, die dringend eine Pause von der Realität brauchen. Türkisfarbenes Wasser, weißer Sand, Palmen, die aussehen, als hätte ein übermotivierter Werbegrafiker sie arrangiert.  

Im „Junk Art Studio“ begegnete ich dem Konzept des objet trouvé. Einem gewöhnlichen Fundstück, das seine eigentliche Bestimmung – die Mülltonne – durch einen glücklichen Zufall verfehlt hat. Statt entsorgt zu werden, wird es künstlerisch bearbeitet. Das Prinzip erinnert an Trash Art: Man nimmt, was andere wegwerfen, fügt Fantasie hinzu und erklärt das Ergebnis zum Kunstwerk. Im Grunde funktioniert die zeitgenössische Kunst nicht selten ähnlich. Nur die Preise unterscheiden sich. 

Und das Erstaunlichste? Es macht ungeheuer Spaß. 

Auf dem South Ari Atoll widmete ich mich außerdem einer Technik, die wunderbar aus der Zeit gefallen schien: dem Malen mit Kaffee und Feder. Die Bilder erhielten jenen nostalgischen Sepiaton, der alles aussehen lässt, als stamme es aus einem vergessenen Reisetagebuch des 19. Jahrhunderts. 

Wir saßen im Schatten, vor uns der Indische Ozean, in unseren Händen Federn und Kaffee. Während die Welt anderswo ihre E-Mails beantwortete, produzierten wir kleine Kunstwerke von zweifelhafter kunsthistorischer Bedeutung, aber unschätzbarem persönlichem Wert. Noch heute erfreue ich mich an ihnen. Manche Erinnerungen verblassen. Diese haben ihre Patina bereits eingebaut. 

Auf Mauritius wiederum konnte ich meiner Vorliebe für Dots Painting freien Lauf lassen und erleben, wie lebendig plötzlich gewöhnliche Steine werden, wenn wir sie kunstvoll bepunkten und dabei schattieren. Offenbar braucht es nicht immer eine Leinwand, um Kunst zu schaffen. Manchmal genügt ein Stein. Und ein wenig Geduld. 

Parfümworkshop in Grasse: Nasentraining 

Im Frühjahr führte mich meine Neugier nach Grasse, in jene südfranzösische Stadt, in der die menschliche Nase offenbar eine höhere gesellschaftliche Stellung genießt als anderswo ein Universitätsabschluss. 

Bei Molinard besuchte ich einen Parfümworkshop. Ein olfaktorisches Abenteuer, bei dem Du begreifst, dass ein gutes Parfüm ähnlich funktioniert wie eine komplizierte Liebesgeschichte: Es braucht eine solide Basis, ein aufregendes Herz und einen ersten Eindruck, der möglichst lange in Erinnerung bleibt. 

Ich entschied mich für Citrus, Sea Salt Marine und eine sanfte Holznote. Das Ergebnis? Ein Duft, der leicht, elegant und erfrischend daherkommt. Eine Art mediterraner Sommer im Flakon. Ohne Sonnenbrand, verspätete Flugzeuge oder überteuerte Liegestühle. 

Seither genügt an einem regnerischen Wiener Nachmittag ein kleiner Sprühstoß, und ich bin wieder in Südfrankreich. Im Laboratoire de senteurs, zwischen kostbaren Essenzen und dem angenehmen Gefühl, dass das Leben manchmal tatsächlich so schön riechen kann, wie es sein sollte. 

Andere Menschen sammeln Kühlschrankmagnete. Ich bevorzuge Erinnerungen, die unter die Haut gehen. 

Venedig. Muskelkater mit Aussicht. 

Zuletzt wurde es sportlich. Ausgerechnet in Venedig, einer Stadt, die seit Jahrhunderten beweist, dass man auch ohne Fitnessstudio wunderbar existieren kann. 

Meinen Schwiegersohn musste ich nicht lange überreden, die Lagunenstadt mit dem Einzelkajak zu erkunden. Vielleicht ahnte er nicht, worauf er sich einließ. Vielleicht war er einfach höflich. Beides ist in Familien von unschätzbarem Wert. 

Wir paddelten durch die Kanäle, vorbei an mächtigen Schiffen und jahrhundertealten Palazzi, deren Fassaden sich im Wasser spiegelten. Aus der Perspektive eines Kajaks erscheint Venedig plötzlich anders. Intimer. Geheimnisvoller. Und erstaunlich viel größer, wenn Du selbst nur wenige Zentimeter über der Wasseroberfläche sitzt. 

Während sich die großen Boote durch die Hauptverkehrsadern der Lagune zwängen, schlüpften wir in schmale, verträumte Seitenkanäle. Dort, wo Venedig noch so tut, als gehöre es seinen Bewohnern und nicht den Millionen Menschen, die es jährlich fotografieren. 

Am Ende hatten wir grandiose Bilder, unvergessliche Eindrücke und einen Muskelkater, der uns noch tagelang daran erinnerte, dass Abenteuer gelegentlich einen Preis verlangen. 

Kreative Urlaubserlebnisse: die schönsten Souvenirs  

Wer verreist, verlässt seine gewohnte Welt. Warum also nicht auch die gewohnten Fähigkeiten erweitern? 

Mein Tipp: Recherchiere vor Deiner nächsten Reise, welche Workshops oder ungewöhnlichen Erfahrungen Dein Urlaubsziel bietet. Ob kreativ, sportlich, kulinarisch oder vollkommen absurd, ist nebensächlich. Hauptsache, es weckt Deine Neugier. 

Denn die schönsten Souvenirs sind selten jene, die man am Flughafen kauft. Es sind die Dinge, die Du plötzlich kannst. Die Geschichten, die wir später erzählen. Und jene kleinen, wunderbar unnützen Erfahrungen, die das Leben reicher machen. 

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