Statt Wien Schwechat wäre Mozart International Airport eine Einladung an die Welt und Marketing-Gold wert. Aber die Denkweise lautet: Piloten brauchen keine Kunst, sie brauchen Koordinaten.
Außerdem fürchten Verkehrsministerien oft, dass ein Personennamen-Flughafen international schwerer merkbar oder übersetzbar ist. (Dumm nur, dass JFK, Charles de Gaulle oder Leonardo da Vinci seit Jahrzehnten das Gegenteil beweisen.)
Die wirklich poetischen Namen kommen meist, wenn eine Stadt ihre Export-Ikone verewigen will:
Rom: Leonardo da Vinci (Erfinder, Universalgenie)
Venedig: Marco Polo (Reisender)
Liverpool: John Lennon: (Beatle und Friedenssymbol)
Madeira: Cristiano Ronaldo International Airport (Fußball) Parma: Giuseppe Verdi Airport (Opern)
Wien hat da geschlafen: Schwechat klingt nach Verwaltungsakt, nicht nach Walzer. Es riecht nach Aktenstaub, nicht nach Sachertorte.
Es gibt Flughäfen, die klingen eher wie eine Drohung. Nicht der Sicherheitskontrolle wegen; manche Namen sitzen Dir schon im Nacken, bevor Du das Gate überhaupt gefunden hast.
Arlanda: Das Wort schmeckt nach Aluminium im Mund, nach der metallischen Kälte skandinavischer Novembernächte. Arlanda ist der Flughafen, an dem selbst die Reklametafeln schweigen, als wären sie von IKEA entworfen, aber ohne den kleinen Inbusschlüssel für Hoffnung.
JFK: Drei Buchstaben wie ein Schuss. Jeder denkt an Glamour, Air Force One, Jackie im Chanel-Kostüm. In Wahrheit ist JFK ein kafkaesker Albtraum aus endlosen Terminals, in denen Du lernst, dass „Welcome to America“ auch eine Warnung sein kann.
Viru Viru: So süß der Name, so toxisch die Wartehallenluft. Er klingt wie eine Kinderkrankheit aus den 70ern: Sorry, mein Sohn kann nicht zur Schule, er hat Viru Viru. Dabei ist es das Tor nach Bolivien; zwischen tropischer Hitze und Andenfrost findest Du dort die tiefste Definition von „Transit“.
La Tontouta: Das ist nicht einfach ein Flughafen in Neukaledonien, das ist ein kolonialer Kater in Beton gegossen. Man hört den Namen und sieht sofort einen vergilbten Postkartenstrand, auf dem der Sand an den Schuhsohlen klebt wie schlechtes Gewissen.
Leonardo da Vinci: Natürlich heißt der römische Flughafen nach einem Genie. Aber die Kunst hier ist, verloren zu gehen, während ein veraltetes Lautsprechersystem Deinen Flugnamen in einen toskanischen Kauderwelsch verwandelt.
Marco Polo: In Venedig landest Du nicht, Du wirst ausgeladen. Marco Polo ist eine feuchte Umarmung aus Nebel und Geschäftsleuten, die zu sehr nach Aftershave riechen. Er trägt den Namen eines Mannes, der die Welt bereiste und doch wirkt der Ort wie das Wartezimmer zum Exil.
Charles de Gaulle: Ein Flughafen wie ein Roman von Proust: zu lang, zu kompliziert, zu viele verschlungene Sätze. Hier lernst Du, dass der wahre Feind nicht der Jetlag ist, sondern der Bus, der Dich von Terminal 2E nach 2F bringt; über einen Kilometer Beton zwischen Dir und Deinem Anschlussflug.
Die meisten Flughäfen tragen einen der folgenden langweiligen Namensstempel:
Stadtname: Weil Touristen und Piloten sofort wissen sollen, wo sie sind. (München, Miami, Nizza)
Vorortname: Oft ein winziges Kaff, in dem die Landebahn liegt (Schwechat, Fiumicino, Roissy).
Das Problem: Kreative Namen wirken auf Behörden wie ein überwürzter Cocktail. Nett, aber riskant.
Fazit: Und so fliegen wir weiter, von Namen zu Namen, als wären sie Kapitel in einem grotesken Atlas. Jeder Name ein Versprechen. Manche Namen, eine kleine Drohung. Am Ende erkennst Du: Die merkwürdigsten Flughäfen sind nicht die mit den schlechtesten Landebahnen. Es sind die mit den besten Geschichten.















































