Folge, Staffel, Serie

30. August 2021 von Tatjana Lackner, MBA

Fernsehen war gestern. Im Kino laufen Filme. Seitdem es Streamingdienste gibt, werden Serien unter der Hand empfohlen, wie geheime Rezepte: “Hast Du diese Serie schon gesehen? Hammer, sag ich Dir!” Selten finden die angepriesenen Staffeln dann meinen Geschmack. Ich fand “Bridgeton” oder “Modern Family” okay, aber nicht bombastisch. Ich konnte mit “Virgin River” wenig anfangen. “Mare of Easttown” mochte ich ausschließlich Kate Winslets wegen, aber die Kulisse und die Story waren mir eigentlich zu öd. 

Binge Watching 

Komaglotzen und Serienmarathon haben schon einige von uns erlebt. Bei mir war das der Fall bei  “How to get away with Murder”, “Good Wife” und “The Blacklist”. Danach war ich bereits vor Jahren süchtig, obgleich ich das Ende meistens recht albern fand. Dabei haben Morde, Gerichtsprozesse und chice Stadtteile samt guten Originalstimmen bei mir immer Chancen. 

Das war wohl auch der Grund, warum ich “Goliath” nach der ersten Staffel wieder fallen gelassen habe, weil mir der ständig qualmende und vom Alkohol gezeichnete Anwalt Billy (Billy Bob Thornton) zu wenig mondän erschien. Bei “Californication” (David Duchovny) wartete ich vergebens darauf, dass die Serie Fahrt aufnimmt. Leider wurde sie stattdessen immer sexistischer und seichter. 

“Queen of the South” stand ich zwar für vier Staffeln durch. Meine Erkenntnis: Drogengeschichten brauche ich kein bisschen und nichts was allzu monothematisch und brutal anmutet. 

Dafür fand ich “House of Cards” genial. Kevin Spacy, dessen Ruf im wahren Leben ruiniert ist – 30 Fälle der sexuellen Belästigung sind eben keine Kleinigkeit – war schauspielerisch überzeugend. Seine talentierte Serienpartnerin, Robin Wright, wurde in diesem Politthriller – nach seinem Rausschmiss – sogar amerikanische Präsidentin. 

Die Amazon Prime Serie “Nine perfect Strangers” garantiert opulente Landschafts-Aufnahmen samt traumhafter Kulisse eines Wellness-Resorts dem Nicole Kidman als russische Spa-Chefin Masha vorsteht. Ich habe die erste Staffel gemocht, aber es wurden darin inhaltlich gerade einmal die neun Charaktere eingeführt. Sonst hat sich – die Handlung betreffend – nicht viel getan. 

In Hollywood wird hinter vorgehaltener Hand gemunkelt, dass diese Netflix-Produktion die veräppelnde Anspielung auf Kollegin Gwyneth Paltrow ist, die mit ihrem echten Wellness-Imperium “Goop” pseudowissenschaftliche Therapien und Ergebnisse verspricht. Wie man in einem Artikel der Süddeutschen Zeitung1 entnehmen kann, sollen dort “Jade-Eier zum Einführen in die Vagina Kristallheilkraft versprechen, ätherische Öle führen mutmaßlich zu Schönheit und Selbstliebe – alles im ästhetischen Design, das sich dann auf Instagram gut macht”. Ebenfalls auf Netflix kann Frau sich in der sechsteiligen Serie “The Goop Lab” selbst ein Bild machen von den Orgasmus-Therapien und der Wirksamkeit der beschriebenen Schönheitstipps rund um den Clean-Eating-Trend. 

Streamingdienste boomen 

Serien verbinden Menschen auf dem ganzen Globus. Wir haben – oft sogar im gleichen Haushalt lebend – kaum mehr kollektive TV-Erlebnisse. Und wenn, dann selten zur gleichen Zeit. Da wären Ländermatches oder Live-Events vielleicht eine vereinigende Ausnahme. 

Ansonsten favorisiert jeder einen anderen Streamingdienst, ob Amazon Prime, Sooner, Netflix, etc. und man entwickelt sein individuelles Serienkonsumverhalten. Das gemeinsame Fernseherlebnis bleibt eine Besonderheit und ist schon lange nicht mehr die Norm. 

Meine Serien-Favoriten 

Tipp 1: Nur auf TV Now findet man “Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert” bestehend aus nur einer Staffel/10 Folgen. 2018 ist diese US-amerikanischen Thriller Serie mit Patrick Dempsey in der Hauptrolle erschienen. 

Es geht um einen erfolgreichen Schriftsteller, dem der Mord einer 15-Jährigen zur Last gelegt wird. Harry Quebert hatte zwar einst eine Affäre mit der jungen Nola, aber ist er wirklich schuldig? 30 Jahre später kommt Licht in den Fall. 

Tipp 2: Amazon Prime zeigt die 2017 erschienene HBO Sendung “Big littles Lies” in zwei Staffeln zu je 7 Folgen. Die Starbesetzung garantiert klingende Namen: Nicole Kidman, Reese Witherspoon, Zoë Kravitz, Laura Dern, Meryl Streep, etc. 

Fünf Mütter stammen aus dem malerischen Städtchen Monterey und sind die eigentlichen “Desperate Housewives”. Sie verbindet das gemeinsame Schuljahr ihrer Kinder. 

Durch die Drama-Miniserie erhält der Zuseher einen Blick hinter die glücklichen Familienmauern dieser fünf Haushalte. Denn die vordergründige Kleinstadtidylle trügt: Häusliche Gewalt, Intrigen, Eifersucht und sogar Mord finden auch in Monterey statt. 

Tipp 3: Wer seinen Account auf Netflix hat und Psychothriller mag, der sollte sich “The Fall” ansehen. Der Krimi ist bereits 2016 auf Netflix erschienen und behandelt in drei Staffeln einige Morde rund um Belfast. 

Mit Gillian Anderson treffen Zuseher eine alte Bekannte (Akte X) und Jamie Dornan (Fifty Shades of Grey) zeigt uns hier eine völlig andere Seite seines schauspielerischen Spektrums. Der Plot ist einfach gestrickt, aber die Ausführung bleibt über 17 Folgen lang spannend: Im düsteren Belfast geht ein Serienmörder um und die Kommissarin, mehr noch die Superintendentin, soll ihn fassen. Das Besondere ist, dass man das Leben des Psychopathen von Beginn an mitbekommt. Dieser wirkt im “normalen Leben” recht unscheinbar. Trauertherapeut Paul Spector lehrt uns das Gruseln, während er ein liebevoller Vater und aufmerksamer Ehemann ist. Sogar im ZDF ist diese umstrittene Serie bereits gelaufen. 

Fazit: Serien haben sich in den letzten Jahren parallel zu ihren Konsumenten entwickelt. Die Genres wachsen, um die individuellen Interessen abzudecken. Für den einen ist Schauspieler X der Größte. Der andere hat noch nie etwas von ihm gehört, weil ihm nicht einmal die Serie in der Mister X die Hauptrolle spielt etwas sagt. Wir werden erleben, ob uns der Eskapismus durch das Überangebot an Filmen und Serien krank macht oder ob es uns lediglich die Unterhaltung erleichtert. 

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