Ein Geburtstag ist ja nichts anderes als eine Inventur mit Kuchen. Man zählt nicht die Kerzen, sondern die Beweise. Beweise dafür, dass man gelebt hat.
Zum Auftakt meines neuen Lebensjahres wurde ich auf einen heißen Stuhl gesetzt. Kein Therapeut, kein Priester, kein Zollbeamter. Nur ein Fragebogen. Die Regel: Antworten bitte im Ja/Nein-Modus. Keine Romane. Keine Rechtfertigungen. Nur die nackte Bilanz. Als würde das Leben sich plötzlich in binäre Codes pressen lassen.
Also gut. Los: Tat-JA-Na!
Tattoos? Nein.
Piercings? Never ever.
Heirat? Nein.
Scheidung? Ergo: auch nicht.
Das klingt wie die Vita einer Frau, die sich konsequent geweigert hat, Verträge mit Haut oder Standesamt einzugehen. Minimalismus als Lebensphilosophie.
Kinder? Ja. Und zwar in der schönsten Ausführung: Bub und Mädel. Und inzwischen zwei Enkeltöchter, die mir täglich beweisen, dass Evolution Humor hat.
Operationen? Ja. Das sportliche Bermuda-Dreieck: Kreuzband, Seitenband, Meniskus. Später ein Bruch mit Titanplatte. Mein Körper ist halb Mensch, halb Baumarkt. Ersatzteile inklusive.
Gefängnis? Nein.
Waffen? Schein ja. Besitz nein. Abgefeuert habe ich Pistole und Revolver. Einmal. Es reichte. Die Erinnerung zittert bis heute.
Dann wird es unruhiger.
Job gekündigt? Oh ja.
Mitarbeiter entlassen? Auch das. Führung ist kein Wellnessprogramm.
Auszeichnungen? Einige. Yippieh. Applaus ist schön; bis er verhallt.
Am Äquator den schief hängenden Mond bestaunt? Ja. Im Indischen Ozean auf den Malediven. Der Mond hängt dort wie ein schief montiertes Designerstück. Physik ist eben kein Gerücht.
Helikopterflug? Ja. Nachts über den Strip von Las Vegas. Die Stadt glitzert wie eine Kreditkartenabrechnung nach einem schwachen Moment.
Waverunner? Florida. Mexiko. Mehrfach. Geschwindigkeit ist eine sehr primitive Form von Glück, aber sie funktioniert.
Konvertiert? Ja. Als Kind von evangelisch zu katholisch umgetauft. Das Weihwasser kam in beiden Fällen aus derselben Leitung. Theologie ist manchmal vor allem Rohrinstallation.
Verliebt gewesen? Ja, aber wie. Und das aber ist hier kein Widerspruch, sondern Intensivierung.
Krankenwagen? Ja. Schwerer Radunfall, Rollstuhl, Reha. Später noch einmal im eisigen Sankt Petersburg. Dort hat Wodka einen halbmedizinischen Status.
Bahamas? Ja. Damals schwamm man noch mit Schweinen.
Amazonas? Mehrfach. Der Fluss ist kein Gewässer, er ist eine grüne Welterklärung.
Tequila Sunrise in Mexiko? Natürlich. Er kommt schließlich von dort.
Weihnachten unter Palmen? Oft. Key West, Whitehaven Beach, Palm Cove, Malaysia, Singapur, Neukaledonien. Christbaumkugeln bei 30 Grad haben etwas zutiefst Ironisches.
TV-Auftritte? Mehrfach. Vom Frühstücksfernsehen des ORF bis ins bolivianische Fernsehen.
Radioshow gewonnen? Ja. Einen Moderatoren-Wettbewerb. Später Sendungen auf Ö1, Ö2 und Ö3. Stimme als Kapitalanlage.
Graceland besucht? Ja. Leider war Elvis nicht zu Hause. Er ist es dieser Tage selten.
Über 5.000 Meter hoch? Ja. Tunupa in Bolivien, 5.432 Meter. Höhe relativiert Eitelkeit. Sauerstoffmangel ist zudem ein ausgezeichneter Atem-Coach.
Karaoke? Nein. Mut hat Grenzen.
Vor Lachen geweint? Oft. Meist wegen meiner Tochter. Sie ist der witzigste Mensch, den ich kenne. Humor ist genetische Gnade.
Haustiere? Als Kind ein kleiner Zoo: Katzen, Hunde, Kaninchen, Pferde, Esel, Ziegen, Enten, Schafe. Aktuell: keine.
Skifahren? Früher ja. Heute nein. Zu viele ökologische Kollateralschäden für ein paar Minuten Adrenalin.
Snowboard? Nie.
Sporturlaub? Windsurfen auf Rhodos. Wind ist ehrlicher als Smalltalk.
Motorrad? Früher. Meine Eltern waren Biker. Ich habe den Schein. Heute nicht mehr. Man wird nicht feiger, nur realistischer.
Pferd geritten? Ja. Argentinien bei den Gauchos, Strand in Thailand. Ich hatte zudem als Kind ein Pony.
Blut gespendet? Ja.
Wortschatz? 27.400 Wörter. Laut letztem Check. Ein Arsenal ohne Waffenschein.
Was macht man nun mit so einer Liste? Man könnte sie als Selbstbeweihräucherung lesen. Oder als Selbstentlarvung. In Wahrheit ist sie etwas Banaleres: ein Koordinatensystem. Ja und Nein sind keine moralischen Urteile. Sie sind Markierungen auf einer Landkarte.
Das Leben lässt sich nicht in Heldengeschichten erzählen, sondern in Entscheidungen. In abgebrochenen Karrieren, verheilten Bändern, verpassten Hochzeiten, bestandenen Höhenmetern.
Ein Ja ist immer auch ein Nein zu etwas anderem. Keine Tattoos heißt: keine ewige Liebeserklärung an eine Phase. Kein Gefängnis heißt: gewisse Grenzen nie überschritten. Kein Karaoke heißt: Selbstschutz.
Geburtstage sind keine Trophäenverleihungen. Sie sind Zwischenstände. Und wenn man ehrlich ist, zählt am Ende nicht, wie oft man Ja gesagt hat, sondern ob man die richtigen Neins kannte.
Die letzte Aufgabe fand ich tricky: Fasse Dein Leben in einem Satz zusammen!
Fazit: Ich habe bereits in 5 Jahrzehnten intensiv gelebt, in je 2 verschiedenen Jahrhunderten ein Kind geboren und im letzten Jahrtausend mein Unternehmen gegründet; dafür sehe ich heute noch völlig okay aus, right?
















































