Apollonius Molons Rednerschule

Rhetorisch betrachtet:

Europa steht in der Schuld der Griechen

Was die Schule des Sprechens heute ist, war Apollonius Molons Rednerschule im 1. Jahrhundert vor Christus – die erste Adresse für Rhetorik.
Tatjana ist auch in diesem Sommer wieder auf Rhodos zum einen um mit Ihrer Familie den jährlichen Surfurlaub zu genießen und zum anderen um auf den Spuren ihrer beruflichen Vorfahren zu wandeln. In Rhodos Stadt gründete der antike Anwalt Molon seine Rednerschule und hatte klingende Referenzen. Darunter Cicero und Cäsar.

Es war die Zeit in der viele vom „asianischen“ Redestil beeinflusst waren: lange Sätze, Verschachtelungen, Redeschnörkel und Manierismen ohne Ende. Aus Kleinasien stammte damals diese vorübergehende Mode in der Sprachkunst. Wer im Lateinunterricht Texte übersetzen musste kann ein Lied davon singen.

Apollonius konnte diesen Schwulst nicht leiden. Er hingegen war ein Verfechter des klaren Wortes. Nichts hielt er von unnötigen Füllwörtern die komplizierte Gedankengänge weiter aufschwemmten und die Botschaft unerkennbar in Watte packten.
Der erfolgreiche Rhetor hätte Tatjanas Buch: „Rede-Diät“ schon alleine des Titels und noch mehr der Aussage wegen geliebt. Der 25-jährige Cäsar war bei ihm in Ausbildung. – Ebenfalls ein scharfer Denker und guter Student. Bis heute wird die Drei-Wort-Botschaft: „Veni, Vidi, Vici“ zitiert. Sogar in der schnellsten Kommunikation – in der heutigen Werbung – findet ein Satz aus dem 1. Jahrhundert vor Christus Verwendung. „Veni, vidi, visa“ hieß der Slogan des Kreditkartenanbieters. Auch die Meldung mit dem geworfenen Würfel ist von bestechender Klarheit: „Alea iacta est!“ – Cäsars oft falsch zitierter Spruch am Fluß Rubicon, da war er schon 51 Jahre alt.

Fazit: Tatjana genießt das rhodische Zentrum, das schon vor der christlichen Zeitwende aufhorchen ließ mit innovativer Philosophie und brillanter Rhetorik.

Viele Promis ließen sich hier verbal trainieren: Cassius, Cato, Brutus, Pompeius oder Lukrez.