Die Knotenleserin

Liebe Lena, Dir ist ein tolles Kinderbuch gelungen. Congrats! Du hast schon 2016 den DIXI-Kinderliteraturpreis in der Kategorie “Kinderlyrik” erhalten.  

 

Ist es schwieriger, für Kinder zu schreiben als für Erwachsene?  
Danke vielmals für das Lob, Tatjana! Und zu deiner Frage: ich schreibe sowohl für Kinder als auch für Erwachsene und beides hat für mich seine Schwierig- und Leichtigkeiten. Nur kommen die je nach Buchprojekt oder Textsorte in verschiedenen Formen daher. „Die Knotenlöserin“ ist mein erstes Bilderbuch und hier galt es als Autorin zu lernen, mich beschreibend zurückzunehmen, damit ich den Illustrationen von Clara Frühwirth auch ihren Erzählraum lasse.

 

Viele Deutschlehrer unterwellen personalisierte Objektbeschreibung. Du verwendest sie gerne: “geduldige Ohren oder “geduldige Hände”. Okay, Ohren können zwar nicht geduldig sein, aber Sprachbilder sind für Kinder wichtig. Wie siehst Du das? 
Sprachbilder sind, sinnvoll eingesetzt, für so gut wie jedes Alter und Erzählen wichtig. Da kann es gut sein, dass „geduldige Ohren“ hier unterwellt und dort für Wellen der Begeisterung sorgen.

 

 Im weitesten Sinne bist Du nun eine Kollegin von der kürzlich verstorbenen Christine Nöstlinger. Sie hat Generationen von Kindern beigebracht, dass man Vornamen mit Artikel verwendet („der Konrad“, „die Rosa“, „der Gurkenkönig”). Beutelt es Dich dabei auch, oder empfiehlst Du derlei? 
Mich beutelt es dabei keineswegs – ich mag das sehr an DER Nöstlinger. Sie unterstreicht damit ja auch, wie wir uns in Österreich alltagssprachlich auf mundgerechte Weise ausdrücken. Und ob ich empfehle, so zu schreiben? Ich empfehle eher, unterschiedliche Stile und „Sprachlichkeiten“ auszuprobieren und zu kosten, was am besten mundet.

 

Viele Kinder leben zwischen den Kulturen, den Welten und manche sogar zwischen den Eltern. Versteht sich „die Knotenlöserin“ auch als gesellschaftskritische Lektüre?  
„Die Knotenlöserin“ drückt in Wort und Bild aus, wie mit Knoten, Verwurschtelungen, Verwicklungen und Verwirrungen jeglicher Art umgegangen werden kann. Damit lässt die Erzählung viel Freiraum für Interpretationen, und genau das wollte ich: eine Geschichte mit vielen Möglichkeiten! Im Zuge der Arbeit an dem Buch habe ich beispielsweise auch erfahren, dass es ein Gemälde der Mutter Gottes in St. Peter am Perlach in Augsburg gibt, das „Die Knotenlöserin“ heißt. So bin ich freudig aufmerksam, was Kinder und Erwachsene in diesem Bilderbuch noch entdecken und „entknoten“.

 

Du hast in der Schule des Sprechens Deine Profiausbildung absolviert. Inwiefern profitierst Du heute noch davon?
Gerade bei Lesungen mit Kindern ist der Lärmpegel bestimmt hoch und die Stimme wird beansprucht. Ja, genauso wie bei Lesungen vor Erwachsenen und Jugendlichen;). Das Vorlesen und Präsentieren von Texten begeistert mich einfach und hier konnte ich und kann ich enorm von meiner stimmigen Ausbildung an der Schule des Sprechens profitieren – sei es in meiner Rolle als Autorin, Sprecherin oder Schauspielerin. Und nicht nur ich profitiere, sondern auch das jeweilige Publikum. Da fällt es dann leichter, geduldige Ohren zu haben.

 

Worauf dürfen wir uns als nächstes freuen? Gibt es schon neue Projektpläne?
Immer:) Im sprechenden Kontext kann ich berichten, dass kürzlich ein Hörbuch erschienen ist, dem ich meine Stimme leihen durfte! Das Hörbuch zu „Das Sagenbuch zum Stephansdom“ von der Autorin Barbara Schinko, erschienen im Tyrolia Verlag. Außerdem befindet sich ein weiteres Kinderbuch im Schreibprozess und Herbst wie Winter sind reich an Lesungen. Wer darüber hinaus auf dem Laufenden gehalten werden will, findet dazu mehr Infos auf www.lenaraubaum.com.