Drip until you drop

7. Juni 2022 von Tatjana Lackner, MBA

Schon vor Jahren habe ich mich mit orthomolekularer Medizin befasst und mir in Wien einen solchen Spezialisten gesucht. Die Idee der Nahrungsmittel-Therapie umfasst Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe, die es im Körper zu ergänzen gilt. Selbst die ausgewogenste Ernährung schafft es nicht immer, alle Bedürfnisse des Leibes abzudecken. Auch, wenn die Smoothie-Community das glaubt. 

Auf meinen Reisen durch die USA habe ich die IV-Drip Bars (= Intravenöse Tropf Stationen) kennengelernt. In der Nähe des berühmten MGM-Hotels in Las Vegas beispielsweise, in dem einst sogar Elvis Presley aufgetreten ist, können erschöpfte Touristen Vitamine durch die Vene tanken. Nach einem langen Flug oder einer harten Zockernacht hängt man sich an den “Recovery”-Tropf und erhält für $349,– B-Komplex Vitamine, Vitamin B12, Vitamin C, Magnesium, Lipostat Plus und Glutathion Push. 

Immer wieder habe ich in medizinischen Fachzeitschriften gelesen, dass diese Methode auch nach Europa kommt. Nachdem ich jahrelang teure Pure- und Biogena-Dragees geschluckt habe, wollte ich meinen Magen mal schonen. Die meisten Kapseln sind zwar vegan und frei von Gelatine, aber dennoch sind die Präparate auf Dauer für die Magenschleimhäute belastend. 

Deshalb fand ich das Angebot der Real Docs im ersten Wiener Bezirk verführerisch. Hier tankt man ebenfalls sämtliche Spurenelemente und Vitamine intravenös in Form von Drips. Das mit der Blutanalyse ist allerdings noch Zukunftsmusik – es empfiehlt sich, die eigenen Werte in einem Fachlabor erheben zu lassen. 

Aktuell werden fünf Infusionen angeboten: “Detox”, “Hangover”, “Healthy Skin & Hair”, “Immunity” und ein personalisierter Drip – die Preise bewegen sich zwischen € 80,– und 220,–. 

Krankenpfleger Antonio sticht fachgerecht in die Venen und hängt die Biogena-Infusion gut gelaunt auf den Drip-Ständer. Das Ambiente ist weiß, schlicht und elegant. Chefin Carmen Ballazs wirkt geschäftstüchtig und kommt auch mit anspruchsvollen Kundinnen, wie mir, zurecht. Mittlerweile gibt es eine zweite Filiale im 16. Bezirk und sogar eine fix angestellte Social-Media-Beauftragte, die zwischen den Standorten hin- und herdüst, stets bemüht, die eine oder andere Beautybehandlung auf einem der beiden Instagram-Kanäle des Hauses zu posten. Nachgefragt sind angeblich vor allem Hyaluronfiller, Unterpritzungen, Botoxbehandlungen und Gesichtsanalysen. 

Ich persönlich finde die Vitamin-Drip-Bar dank B12 nervenschonender. Ob die Drips helfen, bleibt die Frage. Wenige Tage nach der ersten Infusion hatte ich beispielsweise eine böse Mandelentzündung. Da hat mich der “Immunity Drip” auch nicht davor retten können. Antibiotikum musste her!  

Fazit: Drippin’ your vitamins in general can make you more vulnerable! 

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