Female Family Business

25. Februar 2026 von Tatjana Lackner, MBA

Ich bin in einem Matriarchat groß geworden. Keinem theoretischen. Einem echten. Mit rauen Stimmen, klaren Regelbrüchen und null Geduld für Ausreden. 

Meine Großmutter hatte fünf Kinder. Fünf. Von fünf verschiedenen Vätern. In einer Zeit, in der man dafür nicht bewundert, sondern beurteilt wurde. Scheidung war kein Lifestyle, sondern ein Skandal. Sie hat sich trotzdem nicht entschuldigt. Weder für ihre Entscheidungen, noch für ihre Freiheit und auch nicht für ihren Platz im Raum. Sie war eine aristokratisch anmutende Lady. Schön. Und auch ganz schön anstrengend. Von ihr habe ich viel gelernt: Meinen Umgang mit Geld, meinen Ordnungssinn. Und meinen Hang zur Theatralik. Ordnung, um zu überleben. Theatralik, um gehört zu werden. Außerdem hat sie mir beigebracht, dass Selbstständigkeit kein kaltes Konzept ist, sondern ein sehr warmes Gefühl gibt, wenn man nachts ruhig schläft. 

Meine Mutter ist ebenfalls dominant. Zudem laut, sozialkritisch und dogmatisch. Sie hat mir früh beigebracht, dass der Arbeitsmarkt verlässlicher ist als der Heiratsmarkt; dass eigenes Geld keine Romantik tötet, sondern Abhängigkeit

Heute bin ich selbstständig. Mutter einer erwachsenen Tochter und Großmutter zweier bezaubernder Enkelinnen. Zwei kleine Mädchen mit großen Augen, denen ich wünsche, dass sie nie Dankbarkeit mit Pflicht verwechseln. Oder Anpassung mit Liebe. Oder Höflichkeit mit Unsichtbarkeit. 

Chancengleichheit ist für mich kein Hashtag. Sie wurde bei uns eine Familienangelegenheit. Sie sitzt mit uns am Tisch und steht zwischen Generationen. Sie fragt nicht, ob es gerade passt. 

Am Weltfrauentag denke ich nicht in erster Linie an Blumen. Ich denke an Konten, an Verträge, an Stimmen, die nicht zögern. Für die wichtigsten Frauennetzwerke habe ich diesbezüglich motivierende Keynotes gegeben. Rhetorische Brillanz und Charme hilft Frauen in Führungsrollen, sich nicht erklären müssen, wenn sie sich Raum einnehmen. Und ich denke an Männer, die stark genug sind, genau das auszuhalten. 

Fortschritt beginnt selten höflich. Aber er lohnt sich. Für Töchter. Für Enkeltöchter. Für alle, die noch kommen. 

Okay, Blumen gibt es auch: Für jede Mitarbeiterin, Trainerin und jede Kundin, die am 8. März mein Haus betritt. 

PS: Beziehungsvollerweise fällt der Weltfrauentag jedes Jahr in meinen Geburtsmonat und wenn ich mich umdrehe, dann habe ich bereits in fünf Jahrzehnten intensiv gelebt, in je zwei verschiedenen Jahrhunderten ein Kind geboren und im letzten Jahrtausend mein Unternehmen gegründet.  

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