Filmkritik: “Barbie”

1. August 2023 von Tatjana Lackner, MBA

Die Heldenreise der Hauptprotagonistin im neuen Kino-Blockbuster “Barbie” mutet zum einen kitschig und zum anderen gesellschaftspolitisch doch recht platt an. Sowohl Männer als auch Frauen werden im Film überzeichnet und gleichermaßen diskriminiert: Jeder Mann im Barbieland heißt Ken bis auf Allan, der Außenseiter bleibt. Kens treten als kompetitive Trottel auf, deren Oberkörper in nahezu allen Einstellungen nackt sein müssen. 

Die menschliche Welt hingegen steckt voller skrupelloser Patriarchen – so einfach geht Problemverkürzung. 

Die australische Schauspielerin Margot Robbie ist für die Rolle der Barbie nicht die optimale Besetzung. Mit 32 Jahren ist sie für die “klassische Barbie” fast zu alt. Zudem fehlt ihr das puppenhaft-feminine Flair. Eine stereotype Barbie braucht hohe Wangenknochen und sollte optisch zwischen der jungen Grace Kelly und einer Heather Locklear aus den 1980ern liegen. Dabei ist Robbie bestimmt noch besser als Anne Hathaway, die ursprünglich für die Rolle vorgesehen war. Auch Ryan Gosling ist mit seinen 42 ein reifer Ken.

Der Mattel Konzern hat mit diesem Film dennoch eine Meisterleistung hingelegt. Bestimmt ist ausreichend Geld in die Promotion, Kampagne und das Merchandise geflossen. Die Barbieverkäufe, Product Placements im Film und Fanartikel werden die Kassen zum Klingeln bringen und Greta Gerwigs Produktion war dafür stolze Steigbügelhalterin. Kleingeld wurde aber auch ausreichend zwischen den Geschlechtern gemacht. “,Barbie‘ lässt die Zielgruppe der Familien mit kleinen Mädchen im Stich, um sich auf Geschichten über LGBTQ+ zu konzentrieren“, wettert beispielsweise der “Hollywood Reporter”. 

Die von der Kritik hochgelobte Filmbotschaft ist angekommen: Frauen können ebenso die Welt regieren und manchmal braucht es nur kleine Anstöße, um eingefahrene Gesellschaftskonzepte umzudrehen. Aha.  

Von Superheldinnen wie Catwoman über Yentl bis hin zu Erin Brokovich & Co gab es über die Jahrzehnte schon viele, die weibliche Heroinen ins Zentrum ihres filmischen Storytellings setzten. Auch das liegt zunehmend im Trend und verkauft sich ausgezeichnet. 

Die subkutane Message lautet: “Leute, lasst eure Kinder wieder mit Barbies spielen! Sexismus-Bedenken & Bodyshaming waren gestern.” Barbies zeigen sich – dank Warner Bros – inklusiv, divers und woke. Vieles wurde umgeframed: Schlank steht nun schlicht für “healthy”. 

In der ersten Filmhälfte tischt uns Mattel auf, wie divers es im Barbieland zugeht: Da gibt es Rollstuhlpuppen, dicke Barbies und solche aus aller Herren Länder. Außerdem Physikerinnen, Nobelpreisträgerinnen und sogar eine farbige Präsidentin – etwas, was es selbst im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, den USA, noch nie gab.  

Bei den Männern sieht die Sache anders aus: Keiner ist körperlich überpräsent oder physisch beeinträchtigt, alle männlichen Puppen sind gleich gebaut – auch Allan. 

Bis zum Schluss stellt man sich die Frage was wohl der Hauptgrund für Ryan Gosling war, die Nebenrolle als “Haupt-Ken” anzunehmen. Die schauspielerische Herausforderung seines Charakters kann es nicht gewesen sein. 

Fazit: Viele jüngere Generationen (GenY, GenZ) gingen begeistert aus dem Kino und freuten sich darüber ihre eigene Kindheit aufleben zu lassen. 
Ich habe selten so cleveres Imagemarketing erlebt: Ein Werbespot aus dem Hause Mattel, der mit 1h 54 Minuten massive Überlänge hatte. Das scheint der “Hollywood Reporter” ähnlich zu sehen. 

Themen: FilmkritikBarbieMargot RobbieRyan GoslingBarbielandProduct Placement
  • A1
  • Novartis