Filmtipp: Grünes Licht

18. März 2026 von Tatjana Lackner, MBA

Man verlässt das Kino selten mit dem Gefühl, dass einem jemand höflich, aber bestimmt den Boden unter den Füßen weggezogen hat. Grünes Licht tut genau das und lächelt dabei nicht einmal. 

Die Geschichte folgt keiner reißerischen Dramaturgie. Keine melodramatischen Geigen, kein kalkulierter Tränenstau. Stattdessen eine kühle, beinahe klinische Beobachtung: Gespräche zwischen Patient und dem Arzt Dr. Spittler, zwischen Angehörigen, zwischen Zweifel und Entscheidung. 

Der Titel klingt nach Aufbruch, nach Startsignal, nach dieser kleinen Lampe im Kopf, die sagt: Jetzt darfst Du. Doch hier bedeutet grünes Licht etwas Finales: die staatlich, medizinisch, gesellschaftlich sanktionierte Erlaubnis zum assistierten Suizid. Der Film, der bereits bei der Viennale für spürbare Unruhe sorgte, kommt am 27. März regulär ins Kino und man kann ihm kaum vorwerfen, dass er sich dem Zeitgeist anbiedert. Er kratzt. Er insistiert. Er bleibt. 

Die Kamera bleibt oft unbewegt, als wolle sie sagen: Ich greife nicht ein. Ich bezeuge nur. Gerade diese Zurückhaltung macht den Film intensiv. Man wird gezwungen, selbst Stellung zu beziehen und das ist bekanntlich anstrengender, als sich moralisch bedienen zu lassen. 

Formal ist diese Doku von einer Nüchternheit, die fast provokant wirkt. Die Dialoge sind präzise, manchmal erschreckend sachlich. Der Film vertraut darauf, dass Worte genügen. Und sie genügen. Denn was hier verhandelt wird, ist nicht weniger als die Frage, wem ein Leben gehört und ob Autonomie dort endet, wo Verzweiflung beginnt. 

Der Regisseur Pavel Cuzuioc verweigert einfache Antworten. Das ist keine Schwäche, sondern Haltung und das trotz seiner persönlichen Nähe zum aktuell inhaftierten Arzt. 

In der anschließenden Podiumsdiskussion wurde deutlich, wie bewusst diese Ambivalenz angelegt ist. Der Regisseur sprach weniger über Positionen als über Verantwortung: die Verantwortung des Kinos, komplexe Debatten nicht zu simplifizieren. Zudem ging es auf der Bühne um juristische Grauzonen, um ethische Zumutungen, um die Gefahr, Leid zu romantisieren oder bürokratisch zu verwalten. Das Publikum reagierte gespalten. Ein gutes Zeichen, denn ein Film, der alle beruhigt, hat meist nichts zu sagen. 

Fazit: Was bleibt, ist ein eigentümlicher Nachhall. Grünes Licht ist kein Film, den man genießt. Es ist ein Film, den man danach bespricht. In einer Zeit, in der Empörung oft schneller ist als Reflexion, liegt vielleicht genau darin seine Qualität. Er zwingt uns dazu, die eigene Haltung nicht nur zu fühlen, sondern zu durchdenken.

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