Lebenswert-Test: Aussie & Österreich

Lebenswert-Test: Aussie & Österreich

Bei meinem letzten Australientrip ging es an der Gold Coast vor allem darum, einen unvergesslichen Urlaub zu machen. Wochen vor dem Abflug habe ich die Hotspots recherchiert und x-Mal die Travel Route geändert.

Diesmal verbrachte ich auf der anderen Seite des Kontinents, rund um Perth, Weihnachten, Silvester und einige Tage des jungen 2019. Nachdem meine Tochter für die nächsten 2-3 Jahre hier samt dem Enkelkind lebt, ging es mir bei diesem Aufenthalt nicht um’s Urlaub machen, sondern eher um die unterschiedlichen Lebensweisen. Australien hat mit Österrreich seit vielen Jahren eine kompetitive Geschichte: mal schafft es Australien beim „Economist“ mit Melbourne auf Platz Eins der lebenswertesten Städte, bei der Mercer-Studie scheint hingegen Wien das Abo auf den Sieg um ein weiteres Jahr verlängert zu haben.

Alkohol und Essen gehen

Im Restaurant zahlt man nicht bei Tisch beim zuständigen Ober, sondern stellt sich brav beim Ausgang an, um im Check-Out zu bezahlen. Falls ein Restaurant keine Alkohollizenz besitzt, dann nimmt man einfach seinen eigenen Alkohol von zuhause mit. Das mutet sehr ungewöhnlich an. Haute Cuisine ist rar und unverhältnismäßig teuer.
(Punkt geht an Österreich)

Viel Rauch um Nichts

Während der österreichische Vizekanzler das Rauchen in Lokalen am liebsten sofort über Nacht wieder einführen will (vom Gegenteil konnte ihn auch seine bis vor kurzem noch schwangere Zweitehefrau nicht überzeugen) ist hier im Gegensatz Rauchen gänzlich verboten. Sowohl auf öffentlichen Plätzen, in Parks, als auch auf der Straße. Es gibt keine Zigaretten-Automaten oder offen geführte Tabakwaren. Wer qualmen will, der geht verstohlen am besten zu Woolworth an die Kassa und flüstert seine Lieblingssorte über den Tresen. Zwischen 23 (14,10 Euro) und 37 (22,63 Euro!!) australische Dollar kostet eine Packung. Das ist abschreckender als die deutlich pietätlosen Leichenteile, die auf den einheitlich schwarzen Schachteln vergrößerst dargestellt sind.
(Punkt für Australien)

Lebensmittel & Qualität

Nirgendwo bekommt man so gute Lebensmittel, wie in der Alpenrepublik. Die Auswahl an Käsesorten, Fleisch und Süßspeisen ist garantiert nur schwer zu toppen. Zu lange befassen sich Patisserien und Traditionshäuser in Österreich damit, dass der Gast nicht nur „abgespeist“, sondern kulinarisch verwöhnt wird. Australiens Küche hat viel mit den Fish & Chips der Krone zu tun. Selbstverständlich bekommt man gute Salate und vor allem herrliches Steak. Es gibt auch die eine oder andere leckere Bakery, denn in den letzten Jahrzehnten sind auch Franzosen nach Aussie ausgewandert. Das Rezept für ein knuspriges Schwarzbrot hat sich jedoch noch nicht herumgesprochen. Joseph Brot lässt grüßen! Konditoreien, wie Oberlaa oder Aida garantieren täglich die gleiche Vielfalt an Torten. Die Esterházyschnitte beispielsweise sieht verlässlich immer ähnlich aus. Wogegen hier Kuchen „selfmade“ anmuten und stolze Preisen tragen für die „verwordagelten“(unansehnlichen) Stücke, die nicht einmal so herzhaft schmecken.
Deutlich besser als bei uns sind tropische Früchte, wie Mangos und Orangen.
(Punkt geht an Österreich)

Flora: Crazy Farben und fancy Formen

Australien kann mit wunderschönen Blumen, blühenden Gräsern und tollen Bäumen punkten. Die Wurzeln mancher Baumarten konkurrieren nur mit denen in den USA. Doch die Vereinigten Staaten sind um vieles grüner und lange nicht so wild. Gepflegte Vorgärten sieht man hier selten. Die Blütenformen und Farben sind allerdings unglaublich.
(Punkt für Australien)

Fauna: Giftige Tiere & Todesangst

Ausflüge, Badetage oder Fieldtrips sind hier nervenbelastender als ein Horrorschocker ab 18 Jahren. „Beware of Snakes“ steht bei fast jedem Strandzugang und sogar auf Kinderspielplätzen finden sich Warnschilder. Die vermeintlich giftigsten Schlangen der Welt lauern in den Dünen am Weg zum Strand, in Gräsern und natürlich zwischen Felsen.
(Punkt geht an Österreich)

Mieten & Wohnen

In Australien werden Wohnungen und Häuser nicht in Quadratmetern angegeben, sondern es wird beschildert, über wie viele Zimmer eine Immobilie verfügt. Zudem wird beispielsweise die Miete nicht monatlich, sondern wöchentlich berechnet. Durchschnittlich muss man hier für eine bessere Mietwohnung zwischen 250 – 650 AUD pro Woche einplanen (je nach Lage, Größe, Zustand und Nähe zum Meer). In Österreich wohnt man deutlich günstiger.
(Punkt geht an Österreich)

Tanken & Auto

Alles rund ums Auto ist in Aussie bedeutend günstiger. Das geht beim Benzin los und hört beim Gebrauchtwagenhändler auf. Der Dieselpreis lag bei meinem Aufenthalt immer unter einem Euro. Im Vergleich zu Europa gibt es hier viele Autos, die man sonst nur aus den USA kennt. Beispielsweise den Toyota FJ Cruiser, der hier sehr beliebt ist und toll aussieht. Viele öffentliche Verkehrsmittel sind hier gratis.
(Punkt für Australien)

Lebensgefühl

Der Lifestyle ist entspannter. Das hat bestimmt mit den unglaublichen Stränden und dem Wetter zu tun. Es wird gearbeitet und dann geht es täglich an den Beach zum Socializing . Man bringt Decke und Picknick-Korb mit und sitzt zusammen mit Nachbarn oder veranstaltet in den Parks ein Barbecue. Jeden Samstag gibt es im Sommer einen „Sunset Market“ mit vielen internationalen „Essensstandeln“ und Livemusik. Die Menschen sind nicht wirklich chic, aber freundlich und gelassen. Geschminkte Frauen oder zurechtgemachte Männer sieht man kaum. Das ist zwar schade, aber bei Wind, Sonne und Hang Loose Flow zweckmäßig.
(Punkt für Australien)

Arbeiten & Service

WA steht nicht nur für Western Australia, sonder auch für „Wait a while“. Man hat es hier nicht eilig. Die Menschen sind tendenziell distanzlos. Kellner sind nicht nur mit Stammgästen „auf leiwand“, sondern auch mit noch unbekannten Gästen via „Mate“ und „Buddy“. Das muss man mögen.
Die Arbeitsmoral der Australier hält sich in Grenzen und wäre in Österreich nicht willkommen. Wirklich zivilisiert geht es maximal beim Anstellen zu.
Diese mangelnde Leistungsbereitschaft scheint der Staat auch noch mit freien Tagen zu unterstützen. Fällt ein Feiertag auf einen Samstag oder Sonntag, so wird dieser automatisch am Montag darauf nachgeholt. Davon können wir in Österreich nur träumen. Dafür wird bei uns zügiger gearbeitet und schmutzige Gläser sofort abgeräumt.
(Punkt geht an Österreich)

Fazit: Mit 5:4 führt Österreich in meinem Erlebnis-Ranking, und dennoch ist Australien ein genialer Ort für die Pensionsjahre. So weit weg vom Schuss entspannt sich garantiert jeder. Europa ist eng und Österreich schon recht verbaut. Die Weite erlebt man hier überall, und das macht auch innerlich frei. Die Pensionisten sind cooler als bei uns. Das macht Hoffnung für die „goldenen Jahre“.