Lüften durch Zeitfenster

Jeder einzelne auf dieser Welt hat exakt 24 Stunden zur Verfügung, in denen unsere Biografie Gestalt annimmt.

24 Stunden täglich

Was uns Menschen verbindet ist bedeutend mehr als uns trennt, auch wenn einige ihre persönliche Lebenszeit für ganz unique halten. Jeder einzelne auf dieser Welt hat exakt 24 Stunden zur Verfügung, in denen unser Leben seinen Lauf nimmt. Die Tage sind eng miteinander verknüpft, wie bei einer Kette, deren Perlen unsere Entscheidungen und die daraus resultierenden Konsequenzen darstellen. Manchmal müssen wir im „Heute“ ausbaden, was wir uns „gestern“ eingebrockt haben. Immer hoffen wir auf ein gutes oder sogar besseres „Morgen“; nur deshalb gehen wir überhaupt heute in die Schule, auf die Universität oder schlicht in die Arbeit.

Manche Zeitgenossen können sich gar nicht aussuchen, wie sie ihren Tag anlegen, weil sie krank oder verletzt sind, und ihr Gestaltungsradius dementsprechend eingeschränkt ist. Andere sind bitterarm und müssen täglich erst einmal das Überleben sichern für sich und ihre Lieben. Große Erlebnis-Entscheidungen fallen für sie weg, da man ohne Geld nicht allzu viel in einen Tag packen kann.

Viele von uns leiden unter Terminstress. Es geht sich einerseits zeitlich gar nicht alles aus, was man erledigen möchte. Auf der anderen Seite habe ich auch schon von sehr betagten Senioren mit einer gewissen Wehmut gehört, dass für sie der Tag viel zu viele Stunden bereit hält. Die meisten Tätigkeiten können sie nicht mehr verrichten und dass, wozu sie schmerzfrei in der Lage sind füllt ihre 24 Stunden kaum aus:

An manchen Tagen wollen die Minuten dann gar nicht verstreichen. Man sieht auf die Uhr und der Zeiger bewegt sich kaum vorwärts.

Mein optimaler Tag

Ich habe mir deshalb überlegt, wie für mich der optimale Tag aussehen würde. Das Problem dabei ist mir recht schnell aufgefallen: 24 Stunden reichen nie! Das schlechte Gewissen, mit dem ich an manchen Tagen ins Bett gehe ist also klar vorprogrammiert und demzufolge völlig unnütz.

    • 8 Stunden Schlaf (das wäre mal ein Hit!)
    • 1 Stunde Pflege (da sind Frisör und Pediküre & Co aliquot auf die einzelnen Tage aufgeteilt)
    • 8 Stunden Arbeit (selbständig = selbst & ständig)
    • 1 Stunde Lesen & Recherche (Ideen, Trends, Studien)
    • 1 Stunden Schreiben (Blog, Newsletter, Kolumnen für Magazine)
    • 1 Stunde Familien Management (Früchte einkaufen, Smoothies zubereiten, Haushalt führen)
    • 1 Stunde Hausaufgaben mit meinem Sohn (Kontrolle, für Tests üben, Referate vorbereiten)
    • 1 Stunde Surfen oder Fernsehen
    • 1 Stunde Wegzeiten (versteckte Zeitkiller, die viel ausmachen)
    • 1/2  Stunde isst der Mensch am Tag
    • 1 Stunde mit meinem Sohn Qualitätszeit (über den Tag reflektieren, mal nicht über „seine“ Schule reden)
    • 1 Stunde mit meiner Tochter (mal nicht über „meine“ Schule reden, schließlich bin ich auch schon Oma 🙂
    • 1 Stunde Sport (dazu kommt es selten ;-))
  • 1/2 Stunde brauch‘ ich auch für mein Enkelkind
  • 1 Stunde mit meinem Mann verbringen

        Total wären das: 28 Stunden, na bravo!

Natürlich kann man auch mal vor dem Fernseher essen – dass spart wenigstens Zeit. Dann wird man vielleicht auch nicht jeden Tag Sport treiben; zudem sehe meine Enkelin dann doch nur zweimal pro Woche und selbstredend komme ich seit Jahrzehnten mit nur 6 Stunden Schlaf pro Nacht aus – aber lieber eben nicht. Immer gehen wir natürlich auch von bester Gesundheit aus. Denn Arzttermine und Wartezimmer-Zeitkiller sind da noch nicht berücksichtigt. Wenn ich meinen optimalen Tag vergleiche mit meinem realen Kalendertag, dann wird deutlich, warum ich mich oft gehetzt fühle. 

Fazit: Ich habe begonnen mir 2-mal pro Woche von Office-Mitarbeitern Zeitfenster eintragen zu lassen. An manchen Wochen klappt das nicht, weil ich schon im stündlichen Hamsterrad gebucht bin, aber immer öfter schaffen wir diese Zeitinseln. Wie wohltuend! In meinem Rhythmus kann ich dann arbeiten, denken, und das ohne schlechtes Gewissen. Der Output und meine Laune geben diesem Zeit-Management recht.