Ich sitze im Malma Art Café, einem Ort, der aussieht, als hätten Pinterest und Made-by-You ein uneheliches Kind gezeugt. Keine Drinks, keine fancy Latte-Art; nur Filterkaffee und Tee, gratis, wie das Wasser in einem Museum. Aber statt einem Menü mit Cocktails gibt es eine Karte voller Mal- und Bastelideen. Ein Origami-Schwan für den einen, eine Stickerei für die andere, ein bisschen Farbe hier, ein bisschen Glitzer da. Ich wähle ein Testing-Menü (€ 18,–) mit Aquarellfarben, Ölkreiden, Collagenschnipsel, Tinte, Uhu und buntem Papier.
Es ist nicht nur ein Café. Es ist eine Provokation. Ein Ort, an dem Du gezwungen wirst, Deine Hände zu benutzen, Deine Gedanken zu sortieren und Dich ein bisschen lächerlich zu machen. Der junge Mann am Tresen ist hilfsbereit, zuvorkommen und ersucht Dich freundlich, Dein Handy im “Handyhotel” zu verstauen, damit Du abschalten kannst.
Zwei Stunden sitzt Du auf recht einfachen Stühlen und Holzhockern und plötzlich werden Erwachsene zu Kindern neben Dir, die fluchen über einen klebrigen Pinsel, der sich nicht bändigen lässt.
Es ist diese Art von Ort, die man liebt, obwohl man weiß, dass man ihn eigentlich hassen sollte. Ein Placebo für Kreativität. Man zahlt nicht für die Getränke, man zahlt für die Erlaubnis, unproduktiv zu sein und es gleichzeitig kreativ zu nennen. Die Zeit hier hat ein seltsames Gewicht: schwer genug, um etwas zu schaffen, leicht genug, um alles wieder loszulassen.
Und am Ende ist es egal, ob Dein Aquarell wie ein geplatzter Regenbogen aussieht oder Dein Origami-Schwan wie ein misshandelter Vogel; Du gehst raus und hast das Gefühl, dass die Welt wieder ein bisschen handgemachter geworden ist.
Malma Art Café: Ein Zufluchtsort für Erwachsene, die gerne Kind wären, und für Kinder, die lernen, dass Chaos auch kreativ sein kann. Und während der Filterkaffee nachwirkt, weißt Du, dass Du in einem Arbeiterbezirk von Wien gerade ein kleines Stück Stadtmagie entdeckt hast.

















































