Österreichs 1. Speaker’s Corner

Jeder kann hier Reden schwingen

Melden Sie sich an und reden Sie sich von der Seele, was Sie schon immer mal los werden wollten! Nicht nur im Hyde Park – jetzt auch in Wien:

Gleich beim Eingang zum Wiener Prater, ganz in der Nähe des Riesenrades, befindet sich Österreichs erster Speaker‘s Corner. Die österreichische Seele ist jedoch anders gestrickt als die britische: Der Wiener raunzt zwar gerne, aber er exponiert sich nicht unbedingt öffentlich, wenn es vermeidbar ist. Schon gar nicht stellt er sich auf eine Bühne und redet drauf los.

Der gewitzte Gastronom Sepp Bitzinger hat ganz schön Geld für die Bühneninstallation und die Soundanlage in die Hand genommen. Erlaubt ist alles, was die Seele belastet und raus muss. Natürlich gibt es auch da klare Regeln: keine Diskriminierungen, keine Werbung, keine Beleidigungen oder Beschimpfungen. 10 Minuten hat jeder Redner Zeit – egal ob alt oder jung – die Bühne zu nutzen und seiner Zunge freien Lauf zu lassen.

Wir haben nachgefragt:

Felix Schützl, ein lustiger Absolvent unseres Hauses und Moderator des Speaker’s Corner, war vor Ort :

Tatjana Lackner:
Lieber Felix, Du hast einen der ersten „Speaker‘s Corners“ im Wiener Prater moderiert. Was ist Dein Eindruck? Sind die Österreicher schon bereit dazu, einfach aus dem Stand eine Rede zu halten?

Felix Schützl:
Es waren 10 Redner innerhalb von 3 ½ Stunden auf der Bühne. Daraus schlussfolgere ich, dass die Österreicher noch nicht bereit sind, spontan aus dem Inneren heraus das Wort an ein öffentliches Publikum zu richten. Das Raunzen im kleinen Kreis oder das Polemisieren am Stammtisch ist uns offensichtlich vertrauter. Bei vielen habe ich von der Bühne aus wahrgenommen, dass sie überlegt haben, ob sie es wagen sollen. Den meisten hat aber letztendlich der Mut dazu gefehlt.

Tatjana Lackner:
Du bist durch Die Schule des Sprechens zu diesem Job gekommen. Wie hast Du Dich bei der Moderation gefühlt? Das Publikum im Prater ist schließlich anders, als in Deinem Kernjob in der Bank.

Felix Schützl:
Da ich es von Kindesbeinen an daran gewöhnt bin, mich auf unterschiedliche Personen einzustellen (meine Eltern hatten einen kleinen Heurigen), ist mir das auch im Prater leicht gefallen. Die eigentliche Herausforderung war, viel und lange zu sprechen, um beim vorbeiziehenden Publikum permanent Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Tatjana Lackner:
Welche Themen wurden präsentiert und wie alt waren die Speaker?

Felix Schützl:
Die Altersrange lag zwischen 25 und 60 Jahren. Die Themen waren bunt gestreut: von der Faszination über neue Praterattraktionen oder die Leidenschaft für Walt Disney samt Vergleich „Disneyland versus Wiener Prater“ über Handtaschendiebstahl im Urlaub bis hin zu einem Speaker, der auf unserer Bühne seinen Heiratsantrag gestellt hat. Und sie hat „ja“ gesagt.

Tatjana Lackner:
Es wird ja auch gevotet. Nach welchen Kriterien? Wer hat den Contest gewonnen und warum?

Felix Schützl:
Das Publikum votet aus dem Bauch heraus. Die Redner, die faszinieren, erhalten auch entsprechend positives Feedback. Aber auch hier habe ich eine Hemmschwelle bemerkt, denn: Gevotet wurde zumeist von den BegleiterInnen des jeweiligen Redners. Den Contest hat dann ein Beatboxer mit einer wirklich coolen Performance zu Recht gewonnen. Er hat Leute aus dem Publikum in seine Geschichte mit eingebunden und über den Witz seiner Story und gute Geräuschimitationen die zuhörende Menge begeistert.

Tatjana Lackner:
Wem würdest Du raten sich anzumelden um beim nächsten Bewerb mitzumachen?

Felix Schützl:
Ich rate jedem sich anzumelden. Kostenfrei bekommt man Liveatmosphäre und die Chance, vor fremden Menschen eine freie Rede zu halten. Die aktuelle Erfahrung hat gezeigt, dass dem Redner die Aufmerksamkeit der Menge sicher ist.