Filmkritik: “Mamma Mia” war das seicht!

Uff, “Mamma Mia – Here we go again” ist richtig seicht. Dabei haben die Macher der 114 Minuten dauernden Musicalkomödie wirklich alles versucht: Tolle Kulisse, Abba als Soundtrack, im Vergleich zum ersten Streifen können deutlich mehr Akteure singen und tanzen. Cher ist als Oma von Sophie einfach Bombe und Andy Garcia als ihr Verflossener ebenfalls. Aber erstmal der Reihe nach. 

Donna (Meryl Streep) ist bereits tot. Warum erfährt man nicht. Tochter Sophie – wieder dargestellt von der bezaubernden Amanda Seyfried, an der das Alter auch nicht spurenlos vorbei ging – ist diesmal in der Hauptrolle. Sie baut Mutters Traum und damit das Hotel aus. Ihr Sky (Dominic Cooper) ist optisch keine Wucht. Durch seine Arbeit bringt er sie emotional in die Zwickmühle. Außer einem heftigen Sturm scheint niemand zu Sophies Hoteleröffnung kommen zu wollen. Von ihren drei Vätern sind zwei verhindert. In den Nahaufnahmen macht man sich bei Pierce Brosnan gelegentlich Sorgen. Das Alter zeichnet uns alle!

In Pseudo-Rückblenden erfährt der Zuseher, wie für die junge Donna damals alles begann mit ihren drei Männern Bill (Stellan Skarsgård), Sam (Pierce Brosnan) und dem wunderbaren Colin Firth als Harry. Die jungen Alter-Egos dieser drei sind Neuzugänge und ebenfalls fragwürdig besetzt. 

Filmfehler findet man im Streifen einige. Ich fand es zum Beispiel irritierend, dass Lily James die blutjunge “Meryl Streep” verkörpern soll und braune Augen hat. Donna aber nicht. Vieles mag sich über die Jahre verändern. Die Augenfarbe gehört definitiv nicht dazu. Lily James ist als junge Donna zwar unglücklich besetzt, dafür spielt sie tadellos und singt sehr schön. Bestimmt wird dieser Film die Karriere der scheuen Britin boosten. 

Zum Glück gibt es – oh Wunder! – ein Happy End. Das Hotel-Re-Opening wird ein Erfolg und Cher hat ihren Auftritt als Sophies singende Star-Oma. Der Klamauk endet damit, dass Sophie ein Jahr später ihr Kind bekommt und man sich wieder zur Taufe trifft. Meryl Streep hat als dreifache Oscar-Preisträgerin ihren Abgang aus der seichten Komödie elegant gelöst, in dem sie nur in der Schlussszene ein Liedchen trällert. Dabei ist sie ausschließlich für Sophie und die Zuseher als toter Geist sichtbar. Durch ihr Ableben bekommt sogar dieses fade Liedlein melancholische Schwere und täuscht über stimmliche Unpässlichkeiten der Grande Dame hinweg. 

Fazit: Für Abba- und Mamma Mia Fans ist der Film ein Must! Für alle, die zwei Stunden lang einen klimatisierten Wohlfühl-Movie mögen ist die Klamotte harmlos. Denkzellen werden kaum angeregt. Für mich war es schlimmer als befürchtet, aber sympathisch genug um zu bleiben.